Nach sieben Jahren Gefängnis nimmt sich Ex-Cop Joe Denton vor, sauber zu bleiben. Blöd nur, dass er dies nicht mal einen Tag durchhält und die Abwärtsspirale seines Lebens seinen Lauf nimmt. Noir im Laufschritt.


Eine endlose Abwärtsspirale

Manchmal geht das Leben richtig schief. Dabei sieht alles so harmlos aus. So unscheinbar. So normal. Joe Denton hätte wohl auch nie gedacht, dass einfach alles daneben geht. Er heiratet seine College-Liebe, fängt seinen Job als Cop in der kleinen Stadt Bradley an, und hat bald zwei Töchter.
Aber damit hat es sich schon mit der Märchenstunde. Denn so unschuldig ist das Leben für Joe Denton eben nicht. Bradley ist nämlich kein unscheinbarer Kleinort am Rande der Green Mountains, sondern ein County mit einen halben Dutzend Städte, die in den Fängen eines Mannes sind. Eines Mannes, der sich „bewegt wie ein Piranha in einem Aquarium voller Guppys“. Drogen, Wetten, Prostitution, Abzocke, Erpressung und die Hälfte der Polizei von Bradley liegen in den Händen von Manny und seinem Psycho-Sohn. Und bald auch Joe.
Denn so inmitten seiner korrupten Kollegen ist es nur schwer auf dem rechten Weg zu bleiben. Und so steckt Joe schon bald fest im Drogenkonsum, in der Trink- und Spielsucht, und bald auch im Gefängnis.

Für sieben Jahre. Dann kommt er raus und nimmt sich vor, von nun an ein Vorbild für seine Töchter zu sein. Seinen Unterhalt ehrlich zu verdienen. Keine Wetten mehr, kein Kokain, sondern ein ganz normales Leben.
Dieses Wunschdenken! Geht natürlich gehörig schief. Wie gesagt, wir sind in Bradley, nicht im Märchenwald, in dem Wünsche wahr werden.

Wie weit abwärts kann man fallen?

Sehr weit. Wirklich. Und Joe fällt. Und fällt. Mit jeder Seite. Mit jedem Satz. Das fängt schon in seinem Elternhaus an, in das er als gefallener Sohn zurückkehrt und wie ein gefallener Engel, dem die Flügel gestutzt wurden, behandelt wird. Zudem hat sich sein Opfer von damals auf Rache eingeschworen. Und noch ein paar andere. Diese alten Dinge wird man halt nicht los, die holen einen immer wieder ein.

Zeltserman ist wirklich erbarmungslos. Da kommt so ein Ex-Knacki daher und als Leser denkt man, der Typ packt das. Der ist doch gar nicht so böse, wie man sich einen bösen Buben aus dem Knast vorstellt. Doch schon bald kommen Zweifel auf. Und jede Menge böse Typen. Und noch mehr. Und überhaupt denkt man sich beim Lesen: Ist hier überhaupt jemand von den Guten dabei? Gibt es die überhaupt?

Nein. Das ist Noir. Vom Feinsten. Durch und durch. Da gibt es keine Hoffnungen, keine Wunder, kein märchenhaftes Happy-End. Sondern nur einen hoffnungslosen Kampf, der natürlich schlimm endet. Schlimm enden muss in einer Welt, die durch und durch böse ist, die Hoffnung nur als Sekundenbruchteil erkennt, bevor sie seitenweise ihre dunklen, bösen Seiten zeigt.

Und am Ende fliegen gefallene, falsche Engel tief. Wirklich tief. Bis dorthin wohin es wirklich ungemütlich wird. Und heiß. Richtig heiß.

„Ich lachte auf der gesamten Fahrt in die Hölle.“
Der letzte Satz aus: „Small Crimes“

5 von 5 Treffer! Noir im Laufschritt! Lesen!

Bibliografische AngabenReiheninfoWeitere Meinungen
Dave Zeltserman: Small Crimes ©2017 Pulp Master

Dave Zeltserman: Small Crimes ©2017 Pulp Master

SMALL CRIMES
Originaltitel: Small Crimes (2008)
Autor: Dave Zeltserman ⇔
Erscheinungsdatum: 01.08.2017
Verlag: Pulp Master ⇔
Seiten: 270
ISBN: 978-3-927734-83-8
Aus dem Amerikanischen von Michael Grimm und Angelika Müller
Reiheninfo: Band 1 der „man out of prison“ – Reihe / „Badass Get Out of Jail“ – Reihe

Buchbeschreibung:
Cop Joe Denton wird auf Bewährung entlassen. Sieben Jahre zuvor verletzte er den Bezirksstaatsanwalt der Kleinstadt Bradley schwer und verübte einen Brandanschlag auf dessen Büro. Damals nahm Joe alle Schuld auf sich und deckte den korrupten Polizeiapparat. Inzwischen jedoch liegt der örtliche Mafiaboss Manny Vassey mit Krebs im Endstadium auf Intensiv und der einst attackierte Staatsanwalt versucht seit Wochen, Vassey ins Gewissen zu reden und ihn zu einem umfassenden Geständnis zu bewegen. Das würde weitere zehn bis zwanzig Jahre Knast für Denton bedeuten, etliche andere Beamte ebenfalls belasten und die Cops mit dem Rotlichtmilieu in Verbindung bringen …

„Man out of prison“ – Trilogie bzw. „Badass Get Out of Jail“ – Reihe:

  1. Small Crimes, 2017 bei Pulp Master (2008, Small crimes) → Rezension
  2. Paria, 2013 bei Pulp Master (2009, Pariah) → Rezension
  3. Killer, 2014 bei Pulp Master (2010, Killer) → Rezension

Hinweis: Die einzelnen Bände können unabhängig voneinander gelesen werden. Jeder Band ist in sich abgeschlossen, nur das Thema „Ex-Knacki“ verbindet die Reihe.

Aus den Blogs:

  • Kaliber 17 ⇔ – Gunnar Wolters findet das Ende zu sehr auf die Spitze getrieben. Doch der letzte Satz hinterlässt auch bei ihm nur ein: wow.

Aus dem Feuilleton:

  • Welt.de ⇔ – Elmar Krekeler findet Zeltserman ganz schön „fies“, weil er den korrupten Cop nach seiner Gefängnisstrafe wieder untergehen lässt. Sein Urteil: „Krasses Tempo und faszinierende Denkhöhle des Bösen“.
  • Deutschlandfunk Kultur ⇔ – Sonja Hartl findet „Small Crimes“ direkter und schnörkelloser als die beiden anderen Bände der Reihe und lobt die bestechende Gradlinigkeit und Einfachheit.
  • Frankfurter Allgemeine ⇔ – Kai Spanke kritisiert die Übersetzung von Michael Grimm und Angelika Müller. Aus der aggressiven Originalsprache wird deutsches Gejammer, so sein Urteil.

Blogrezensionen zu den einzelnen Bänden der „Badass Gets Out of Jail“ – Reihe:

Dave Zeltserman: Small Crimes

Dave Zeltserman: Small Crimes ©2017 PulpMaster

Dave Zeltserman: Paria ©2013 PulpMaster

Dave Zeltserman: Paria ©2013 PulpMaster

Dave Zeltserman: Killer ©2014 PulpMaster

Dave Zeltserman: Killer ©2014 PulpMaster

  1. […] Small Crimes, 2017 bei Pulp Master (2008, Small crimes) → Rezension […]

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  2. […] Small Crimes, 2017 bei Pulp Master (2008, Small crimes) → Rezension […]

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  3. Yeah, du bist wieder da! Und dann gleich mit einer so tollen Rezension! Willkommen zurück Schurken-Blog! Ich freue mich sehr und wünsche Dir und Deinem Projekt nochmal nachträglich alles Liebe und Gute für 2018!

    Wir lesen uns
    LG
    Stefan

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    1. Vielen, vielen Dank! Und ich habe auch gesehen, du bist auch wieder aktiv zurück und hast uns gleich mal einen Vorschauticker, der sich sehen lassen kann, mitgebracht :-).

      Ich hoffe, als Schurke lebt es sich leichter. So ohne Stress und mit ganz viel Spaß. Danke dir und auch dir ein ganz tolles 2018er! Ja, wir lesen uns!

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