Roger Smith bringt südafrikanische Brutalität nach Arizona. Ein Überfall auf die Familie von John Turner wird zum Gemetzel. Es fließt Blut, literweise, und so mancher Kopf rollt über den Küchenboden. Harter Splatter-Thriller!


Roger Smith goes Arizona

Oder so. Normalerweise kennen wir Roger Smiths Thriller mit südafrikanischen Setting. Dieses Mal aber bringt er Südafrika nach Arizona. Das ist nicht weniger gewalttätig, aber doch weniger kritisch wie seine anderen Thriller.
Funktioniert nämlich nur, wenn man den Splatter-Thriller als reine Unterhaltung lesen möchte.

Südafrikanische Schurken

… sind nicht immer Schwarze. Es gibt auch weiße Schurken. Jede Menge davon. John Turner ist so einer. Weiß. Von der Hautfarbe zumindest, denn seine Weste ist alles andere als weiß.
In Arizona lernt der Leser ihn kennen. Und seine nicht liebenswerte Gattin dazu. Die ist echt ein Prachtstück, wenn man sich sein Leben schwer machen möchte. Kein Wunder, dass John längst eine Geliebte hat.

John hat aber noch mehr. Auf dem Kerbholz. Denn der PoolShark-Unternehmer hat eine belebte Vergangenheit. All das erfährt der Leser nach und nach, denn Roger Smith springt in „Mann am Boden“ zwischen den Zeiten hin und her. Und in den Settings. Es gibt Rückblenden aus Südafrika, Rückblenden aus Arizona, und natürlich den Überfall selbst.
Dadurch entstehen zahlreiche Cliffhanger, die den Leser bei der Stange – bzw. im Buch – halten.

Der Überfall

… ist so typisch Roger Smith. Anfangs sieht alles nach einem ganz normalen Überfall aus, bei dem es vermutlich um Geld geht. Doch ganz schnell dreht sich das Ganze in eine psychotische Abartigkeit, die wir von Smith kennen. Und das mit einer Schnellligkeit, die wie aus dem Maschinengewehr geschossen wird.

Hinter dem Überfall steckt nämlich noch viel, viel mehr. Aber selbst dieser Hintergrund ist nicht genug, Smith treibt auch hier ein satanisches Spiel mit den Figuren und mit dem Leser, er lässt wirklich alles schief gehen und die Figuren direkt in die Hölle blicken. Es ist irgendwie wie bei Dante. Der erste Höllenkreis reicht einfach nicht aus. Und zweite auch nicht. Und der dritte ist noch schlimmer. Und der vierte …
Eine endlose Spirale von Gewalt, bei der alle nur verlieren können. Jeder. Ausnahmslos.

Etwas fehlt

Der Thriller eignet sich wegen den Splatter-Elementen nur für hartgesottene Leser. Für die liest er sich wirklich richtig gut, richtig schnell, richtig „es kommt alles noch schlimmer als man denkt“. Nur: Reicht das?
Für mich nicht. Mir fehlt hier etwas. Gewaltig.
Roger Smiths Thriller fand ich zwar immer hart, aber auch immer sehr kritisch. Zwischen den Zeilen teilte er aus auf die südafrikanische Gesellschaft, die Strukturen. Hier gelingt ihm das – meiner Meinung nach – nicht.
Ich will nicht zu viel vom Inhalt verraten, denn der lebt gerade durch die Geheimnisse (weswegen ich mich heute auch wirklich selbst kneble und den Inhalt nur vage andeute), die nach und nach gelüftet werden, aber mir fehlt hier die Kritik an der Gesellschaft. Guter Unterhaltungsthrill, aber zu wenig Roger-Smith-Kritik. Einfach zu zeigen, dass niemand ohne Schuld ist, ist mir zu wenig.
Vielleicht sollte er in Südafrika bleiben. Da kennt er sich aus, da hat er was zu erzählen.

Jeder Schuldige ist sein eigener Henker.
Zitat von Seneca aus: „Mann am Boden“ von Roger Smith, Ebook S. 266

3 von 5 Treffer. Splatter-Thriller für zwischendurch.

Bibliografische Angaben
Roger Smith: Mann am Boden ©2018 Tropen

Roger Smith: Mann am Boden ©2018 Tropen

MANN AM BODEN
Originaltitel: Man Down
Autor: Roger Smith ⇔
Erscheinungsdatum: 13.01.2018
Verlag: Tropen Verlag ⇔
Seiten: 336
ISBN: 978-3-608-50217-6
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Reiheninfo: Einzelband

Buchbeschreibung:
Tucson, Arizona. Eine dreiköpfige Familie wird in ihrem eigenen Haus überfallen und als Geisel gehalten. Doch schnell offenbart sich, dass der Vater ein doppeltes Spiel spielt. Wer sind die wahren Täter und wer die Opfer?
Zehn Jahre ist es her, seit John Turner und seine Frau ihre Zelte in Südafrika abbrachen, um gemeinsam mit ihrer Tochter Lucy in den USA ein neues Leben aufzubauen. Als drei Männer in ihr Haus in Arizona eindringen und sie als Geiseln nehmen, zerbricht das familiäre Idyll. Langsam kommen die Schatten aus Turners Vergangenheit ans Licht. Warum verließ die Familie ihre Heimat Johannesburg so überstürzt? Roger Smith, der härteste Krimiautor Südafrikas, erzählt in rasantem Tempo von Vertrauen, Korruption und den Fehlern der Vergangenheit, die jeden von uns zwangsläufig einholen. Und er beweist: Unschuldige gibt es in dieser Welt nicht.

  1. Oh, schade. Kenne den Autor noch nicht. Habe hier aber „Kap der Finsternis“ liegen.
    Aber wenn ein entscheidenter Punkt fehlt, kann das einem das komplette Buch versaun – leider :/

    Antworten

    1. Roger Smith ist super und sehr empfehlenswert! Ich bin wirklich sehr streng mit ihm, weil ich seine neuen Bücher mit seinen älteren Werken vergleiche. Hier war für mich ausschlaggebend, dass er es einfach besser kann, deswegen nur eine Durchschnittswertung für das Buch. Aber mit Büchern von Roger Smith kannst du nichts falsch machen! Lesen!

      Antworten

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