Lynn flüchtet mit ihrer Familie ins eisige Yukon. Fernab des tödlichen Grippevirus und den Schergen der Immunity kämpfen sie dort inmitten von Eis und Schnee ums Überleben. Auf dünnen Eis bewegt sich die Geschichte, die einfach wie eine Schneeflocke vergänglich ist.


Wölfe…

… im Winter jagen im Rudel, kämpfen ums Überleben und notfalls auch gegen Konkurrenten. Lynn und ihre Familie sind durch die Weltereignisse, Kriege und tödliche Grippeviren, ins eisige Yukon nach Alaska geflohen. Auch sie kämpfen ums Überleben, jagen aber nicht im Rudel, sondern mehr so im Alleingang.

Eine Leere

Wo soll ich nun mit meiner Meckerei beginnen? Es scheint keinen Anfang und kein Ende zu haben, wie eine eisige Landschaft, die sich bis zum Horizont und darüber hinaus zieht.
Was erwarte ich von einer Dystopie? Auf alle Fälle einen Schrecken, ein Beklemmungsgefühl, vielleicht etwas Angst. Eine Welt, die ich mir gar nicht vorstellen möchte. Und natürlich Figuren, mit denen ich mitleiden kann. Das alles glaubhaft, Bitteschön.

Diese Geschichte hat nichts davon. Eine Leere. Wie das eisige Gebiet des Yukons, das nur hin und wieder durch eine Bewegung mit düsterer Farbe angekleckert wird.

Ausgangsidee

Terrorismus und Kriege lenken die Welt an ihren Abgrund. Ein Grippevirus löscht zusätzlich die Mehrheit der Menschen aus. Eine Organisation scheint sich um die Überlebenden zu kümmern, doch kaum jemand hat Vertrauen zu ihr. Im Gegenteil: Viele fürchten im Stillen, dass der Virus selbst gezüchtet wurde und aus dem Ruder lief.
Mittendrin Lynn und ihre Familie. Mit sechszehn Jahren lernt sie Bogenschießen im Schnellverfahren. Sie übt an Schneemännern ihre Treffsicherheit. Ihr Vater, der Biologe ist, klärt sie über essbare Wildpflanzen auf. Als ihr Vater an dem Virus stirbt, flüchtet ihre Familie mit ihrem Onkel und dem Sohn eines Freundes in das eisige Yukon.

Dort schießt Lynn nicht mehr auf Schneemänner, sondern auf Tiere. Schon hier entweicht mir jede Glaubwürdigkeit, dass Lynn von ihrem pflegeleichten, gutbürgerlichen Vorstadtmädchenstatus zu einer treffsicheren Jägerin wird. So leicht auf etwas zu schießen, das lebt, atmet, einen anblickt, ist es nämlich nicht.
Oder habt ihr schon mal ein Huhn geköpft und danach keine albtraumhaften Gedanken gehabt?

Dazu kommt, dass die Familie mit nur wenigen Habseligkeiten sich in den Yukon aufmachte und dort mitten in der eisigen Wildnis ihre Hütten aufbauten. Schon mal versucht eine Hütte zu bauen? Ohne Bretter? Ohne richtigen Werkzeug? Wenn es nach dieser Geschichte geht, ist das ganz leicht. Macht man so nebenbei mitten im Yukon.

Normalerweise wäre ich schon längst wegen all dieser Unglaubwürdigkeit ausgestiegen. Aber ich liebe nun mal Dystopien. Also weiter.

Schachmatt

Figuren genauso farblos wie die Schneelandschaft. Oberflächlich und vorhersehbar sind die Figuren. Da gibt es einen Nachbarn, der geduldet wird, der böse ist. Und es auch bleibt. Und es auch wundert.
Da gibt es einen Fremden, der sich bald als etwas Außergewöhnliches entpuppt und sich genau dadurch vorhersehbar macht. Und ich kann es verraten: Es gibt keine Überraschungen. Es passiert genauso, wie man es sich als Leser vorstellen würde.
Lynn ist der Terrier des Rudels, tja, wär hätte das gedacht? Auch wenn ihr die Beißkraft fehlt. So richtig erwachsen ist sie auch nicht geworden, inzwischen ist sie 23 und handelt wie eine 16jährige. Aber auch das wundert nicht, wie soll man sich entwickeln, wenn alles farblos ist. Zumindest das ist glaubwürdig.

Jedes Rudel hat einen Anführer. Hier ist es Lynns Onkel. Und auch dieser überrascht den Leser nicht, sondern handelt genauso wie man es erwarten würde. Die Figuren sind wie auf einem Schachbrett organisiert: Jede hat ihren Platz und keine rückt an eine nicht vorhergesehene Stelle vor.

Am Ende bleibt: Ein langweiliger Spaziergang durch den Schnee

Dann gibt es ja noch diese ominöse Immunity. Schnell ist klar, was dahintersteckt und was deren Ziele sind. Und da schleichen sich dann sogar noch ein paar Logikfehler ein. Oder habt ihr schon mal jemanden eine Beatmungsmaske über eine OP-Maske angelegt? In diesem Buch scheint dies zu funktioneren.

Und so geht es mit jedem Schritt, mit jeder Seite. Beschwerlich ist das Laufen durch den Schnee. Stellt man sich als Leser vor, kommt in der Geschichte aber zu wenig rüber. Wie so vieles in diesem Buch. Wäre da die eigene Vorstellungskraft nicht, wäre die Geschichte vermutlich noch öder.
Natürlich gibt es gegen Ende ein bisschen Action. Ohne Überraschungen und mit dem Ausgang, den man sich wünscht bzw. vorstellt.

Am Ende bleibt: Ein lautes Gähnen mitten in der Welt des Schnees. So langweilig wie eine endlose Schneelandschaft ist, so langweilig liest sich dieses Buch. Und ich fürchte, da soll noch was folgen. Denn das Ende ist so angelegt, dass man eine Reihe vermuten könnte. Ohne mich. Einmal Yukon und zurück hat mir gereicht.

Schnee war schon was Komisches. Wenn man ihn mit dem Handschuh hochhob, war es, als hielte man eine Handvoll Mehl, und schon das leiseste Lüftchen konnte ihn davonwehen. Aber wenn er sich auftürmte und eine Zeit lang liegen blieb, bog sich unter ihm sogar das stärkste Holz. Er konnte einen schützen und nähren, aber auch zerquetschen und umbringen. Schnee war ein launisches Mistzeug.
Aus dem Ebook, Pos. 175

2 von 10 Treffer

Bibliografische AngabenWeitere Meinungen
Tyrell Johnson: Wie Wölfe im Winter ©2018 HarperCollins

Tyrell Johnson: Wie Wölfe im Winter ©2018 HarperCollins

WIE WÖLFE IM WINTER
Originaltitel: The Wolves of Winter
Autor: Tyrell Johnson
Erscheinungsdatum: 02.01.2018
Verlag: Harper Collins ⇔
Seiten: 427
ISBN: 978-3-95967-132-3
Aus dem Amerikanischen von Urban Hofstetter
Reiheninfo: ?

Buchbeschreibung:
Die Welt, wie Lynn sie kannte, existiert nicht mehr, seit ein Grippevirus einen Großteil der Menschheit ausgelöscht hat. Mit ihrer Familie kämpft sie im eisigen Yukon ums Überleben. Jahrelang haben sie keinen Kontakt zum Rest der Welt gehabt, bis plötzlich ein Fremder erscheint. Er wird verfolgt, und sie nehmen ihn bei sich auf. Doch in dieser neuen Welt ohne Nahrung, ohne Regeln und ohne Moral bringen sich Lynn und die anderen damit in Lebensgefahr …

Aus den Blogs:

  • „Eine Standard-Dystopie ohne Überraschungen“ ist das Fazit des Blogs „Die dunklen Felle“ ⇔, allerdings mit spannender eisiger Kulisse.
  1. […] Und so ganz allein stehe ich denn nun nicht mit meiner Meinung, denn Iris vom Schurkenblog meint in Ihrer Rezension: „Ohne mich. Einmal Yukon und zurück hat mir […]

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