Burdon Lane ist Waffenschieber. Doch der letzte Deal gefällt ihm nicht. Irgendwas läuft da gewaltig schief. Zwischen verschiedenen Banden bricht bald ein Krieg aus und es prasseln Kugeln durch die Gegend, während die Seiten nur so dahinfliegen.
Ein Actionthriller mit Kaffeeklatschanfang und Maschinengewehrende.


Und so lautet meine Kontaktanzeige: Mann, weiß, Single, Mitte vierzig, geschieden, keine Kinder, sucht Waffen. Große Waffen, kleine Waffen. Handfeuerwaffen, Schrotflinten, Gewehre, Maschinengewehre, und ja, okay, hier und da auch Granatwerfer und Panzerabwehrwaffen. Und das wiederum ist meine Visitenkarte: Burdon Lane, Executive Vice President. UniArms, Incorporated. Ich bin ein Geschäftsmann,…
Zitat aus dem Ebook, Pos. 270

Gangsterkaffeeklatschrunde

Es fängt ja ziemlich harmlos an. Burdon Lane, ein Geschäftsmann, ein Waffenschieber, plaudert munter drauf los. Wie bei Tante Emmas Kaffeeklatschrunde. Nur geht es dabei nicht um Kaffee und Kuchen, sondern halt um Waffen und Dickie-Mullen-Typen. Und die Gründungsväter.

Diese Gründungsväter-Typen, Washington, Jefferson, Franklin, wer auch immer, diese Typen auf den Dollarscheinen, die setzen die Briten vor die Tür und gründen eine neue Regierung. Ihre eigene Regierung. Was ist also das Erste, was sie machen? Sie stellen Regeln auf. Die Verfassung, fürs Erste. Und die geht schon gut los: Alle Menschen sind gleich, nicht wahr? Damals Bockmist, heute Bockmist. Diese Typen hielten sich Sklaven, ihre Frauen durften nicht wählen, wem wollten die da eigentlich was vormachen?
Zitat aus dem Ebook, Pos. 342

Da hängt nun der Leser auf der Couch mit diesem Buch ab und lauscht Lanes Zusammenfassung der letzten zwölf Jahre. Oder ein paar mehr.
Zugegeben. Von so einem Waffenschieber hätte man vielleicht etwas mehr Action erwartet. Trotzdem ist es nicht langweilig, vielleicht etwas zu viel, etwas zu lange, aber nicht langweilig. Lane hat Humor. Auf seine Weise. Und steht einer Tante Emma in Alleinunterhaltung in nichts nach. Und irgendwie müssen wir ja erst die Regeln kennen, die dann später durchwegs gebrochen werden. Sonst würden wir ja nicht kapieren, dass da ein ganz böses Spiel im Hintergrund läuft. Und böse wird es noch.

Böse Jungs, die böse Spielchen spielen

Nachdem Lane den Leser nun über seine Welt aufgeklärt hat, geht es dann los. Rein ins Gangstas Paradise, wo Himmel wie Kotze aussehen und gelbe Nigger gefährlich sind. Aber auch Weißbrote unberechenbar bleiben.
Ein Deal steht an. Ein gefährlicher. Einer, der richtig viel Kohle bringt.
Dazu muss sich Lane allerdings mit unberechenbaren Banden einlassen. Schon bei der Übergabe in New York gefällt Lane die Sache ganz und gar nicht. Irgendwas läuft hier mächtig schief. Und er traut den Bravos nicht. Und seinen Leuten auch nicht, denn schnell wird klar: Hier geht es nicht um eine Waffenlieferung. Es geht um mehr. Viel mehr.
Blöd gelaufen. Mitgehangen, mitgefangen. Oder so. Dabei kennt Lane ja die Falschheit der Gründungsväter. Hat er uns ja anfangs genau erklärt, wie solche Spielchen ablaufen.

Es knallt, er herrscht Krieg

Dann … peng, peng, peng … knallt es richtig los. Jetzt gibt es Action ohne Ende. Jeder jagt jeden, es knallt auf jeder Seite, in jedem Satz. Blut. Tote. Feinde. Irgendwie kann niemand niemanden trauen. Und dieser Lane mittendrin, versucht noch immer zu entwirren, was für ein Spiel hier gespielt wird. Ohne Regeln. Es stinkt gewaltig. Denn plötzlich sind da nicht nur die Gangsterbandenmitglieder, sondern auch Feds. Und Zivilisten.

Puh. Kurze Pause. Durchatmen. Weiter.

Das letzte Drittel ist rasante Action. Wie aus dem Maschinengewehr prasseln nicht nur Kugeln durch die Gegend, sondern auch eine Tücke nach der nächsten. Undurchschaubar dieses böse Spiel. Nicht nur Lane ahnt, dass hinter dem Deal viel mehr steckt, sondern auch der Leser.
Nur was?
Am Ende dann die böse Erleuchtung. Böser geht es nicht. Und wenn man eines aus dem Buch lernt: Traue niemanden, wenn du überleben willst. Das ist die Regel, die Gründungsväter aller Art vernachlässigen.

Leider bin ich mit dem Aufbau nicht ganz glücklich. Anfangs unterhält zwar Lanes coole Erzählart, aber es wird zu viel erzählt. Wie ein zweischneidiges Schwert kommt mir der Thriller vor, zwar scharf geschliffen, aber eben mit zwei Seiten. Gut zu lesen, aber kein Knaller für mich. Auch wenn es am Ende mächtig knallt.

3 von 5 Treffer. Actionreiche Gangsterspielwiese!

Bibliografische Angaben
Douglas E. Winter: Run - Sein letzter Deal ©2018 Luzifer Verlag

Douglas E. Winter: Run – Sein letzter Deal ©2018 Luzifer Verlag

RUN – SEIN LETZER DEAL
Originaltitel: RUN
Autor: Douglas E. Winter →
Erscheinungsdatum: 31.01.2018
Verlag: Luzifer Verlag ⇔
Seiten: 350
ISBN: 978-3-95835-284-1
Aus dem Amerikanischen von Peter Mehler
Reiheninfo: Einzelband

Buchbeschreibung:
Ein illegaler Waffendeal.
Ein Attentat.
Und ein Bauernopfer, das zwischen alle Fronten gerät.
Burdon Lane lebt den Amerikanischen Traum. Sein Job ist es, regelmäßig Waffen dorthin zu liefern, wo sie gebraucht werden – in jene amerikanischen Problemviertel, in denen sich die Bewohner mit besonderer Regelmäßigkeit gegenseitig erschießen und wo die Behörden gern eine Auge zudrücken. Ziel seiner jüngsten Lieferung ist es, zwei verfeindete Straßengangs in Harlem zu bewaffnen. Das System ist erprobt und todsicher. Was Burdon jedoch nicht weiß: Die Regierung hat bei diesem Deal ihre Hände im Spiel. Und was die Behörden nicht wissen: Der Deal ist nur ein Vorwand für einen weitaus perfideren Plan.
Als der Deal platzt, bricht die Hölle los. Plötzlich erschießen die Waffenhändler ihre eigenen Leute, die Cops scheinen keine echten Cops zu sein, und als sich der Pulverdampf verzieht, ist Burdon Lane plötzlich auf der Flucht – vor seinen Auftraggebern, den Feds, und so ziemlich jedem Cop entlang der Ostküste. Mit zwei Millionen Dollar, einem ungewöhnlichen Verbündeten, und jeder Menge Waffen.

  1. Ich hatte mal ein Faible für solche Bücher, aber da mich in den letzten Jahren immer öfter solche „Gangster“ Bücher enttäuscht haben – sei es durch den Aufbau oder die dummen Charaktere oder eben KLischees – bin ich vorsichtig geworden und greif schon lange nicht mehr blind zu. Das hier ist wohl auch so ein Exemplar. Schade!

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    1. Ha, ha. Bei dem Buch habe ich tatsächlich an dich gedacht. Ob es dir wohl besser gefallen würde als mir?
      Ich glaube, ich bin inzwischen viel zu anspruchsvoll geworden. Nur cooler Gangsterton ist mir zu wenig. Nur Geballer auch. Nur Action ebenso. Und vom Aufbau her sowieso.
      Ich merke es auch selbst, ich habe mit jedem Lesejahr immer weniger Highlights. Das war früher anders. Aber inzwischen brauche ich einen guten Mix und vor allem mehr als nur Unterhaltung.
      Das ist wohl der Nachteil, wenn man viel liest. Aber ich sehe: Auch dir geht es so ähnlich. 🙂

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      1. Ja, das wird es wohl sein: Man wird einfach anspruchsvoller und gibt sich nicht mit ausgelutschten Dialogen und Ereignissen zufrieden, die einen sofort an amerikanische 0815-Action-Filme denken lassen. Das ist auch der Grund, warum ich das Crime Abo beim Festa Verlag wieder abbestellt habe. Die meisten Bücher (seien es auch noch so gute Autoren) bewegten sich auf dem Gebiet und ich hab sie schlichtweg nicht gelesen oder mich gar für sie interessiert 🙁

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