Fayetteville täuscht. Während es im ersten Band der „Sheriff Wing – Reihe“ noch ziemlich gelassen zuging, wird es jetzt turbulenter. Und hinterhältiger. Ganz so wie man es von „Hinterwäldlern“ erwartet. Nicht nur Wings Frau spielt ein falsches Spiel, auch Wing selbst hat es faustdick hinter den Ohren.


Fayetteville mal anders

Von wegen Fayetteville sei so ein ödes, langweiliges Kleinbürgernest, in dem der Sheriff vor allem durch Nichtstun heraussticht.
Von wegen, dass sich in Fayetteville die Dinge von selbst klären und man ganz gelassen dabei zuschauen kann. Und überhaupt ist alles anders als im ersten Band der „Sheriff Wing – Reihe“. Denn manchmal reicht es einfach nicht aus, Ruhe zu bewahren und abzuwarten. Manchmal muss auch ein Sheriff richtig Hand anlegen oder sogar scharf schießen.

Vom Ehemann zum Hausmeister

Vorbei ist es für Sheriff Wing mit der Ruhe und Gelassenheit. Vorbei scheint es auch mit seiner Ehe zu sein, denn seine Frau Clemmie hat einen neuen alten Freund bei sich zu Hause: Jake Stout. Der hat nun Wings Platz eingenommen. Na gut, nicht ganz, Clemmie ruft Wing noch immer, wenn im Haus Dinge zu reparieren sind. Da muss der Sheriff noch immer ran.
Und wie das in langweiligen Kleinbürgernestern so ist: Jeder weiß darüber bescheid. Meistens sogar besser als Wing selbst. Selbst über seinen neuen Deputy, eine Frau, wissen alle mehr, obwohl Wing eigentlich ihr zusammenarbeitet. So ist das in diesen Nestern.

Vom ruhigen Sheriffjob zum Gejagten

Nun hat Wing aber auch noch ein ganz anderes Problem. Der Gemeindevorsitzende Stephen Roark sitzt im Nacken. Und das nur wegen der abgetrennten Hand von Terry. Solche Sachen passieren halt in Fayetteville, wo Männer noch mit Händen arbeiten müssen. Kein Grund zur Sorge, so Wing.
Doch Roark glaubt nicht an Unfälle. Überhaupt glaubt er nicht, dass Sheriff Wing seinen Job ordnungsgemäß macht. Wenn der nur wüsste, in welches Nest er da sticht!

Alte Wunden heilen nie …

… sagt man. In Fayetteville schon gar nicht. Es ist hier eben nicht so, wie es scheint. Denn im zweiten Band wird angepackt. Und zwar nicht zimperlich. Das war schon immer so, nur haben wir uns im ersten Band von der Idylle täuschen lassen.
Der Ort ist nämlich gar nicht so ruhig und beschaulich und unbedrohlich. Der Ort ist … nun ja … Fayetteville halt.

Von Gelassenheit zu bösen Männergespannen

Freeman packt aus. Im zweiten Band wird so ziemlich alles auf den Kopf gestellt, was der Leser im ersten erfahren hat. Wie eine Schlinge ziehen sich die Ereignisse um Sheriff Wings Hals. Die Eheprobleme, die Versorgung seiner alzheimerkranken Mutter und natürlich Roark, der ihm im Nacken sitzt und an der Schlinge zieht. Aber auch Wing selbst, der wie ein Unschuldslamm wirkt, entpuppt sich dann doch ein bisschen wie ein Wolf im Schafspelz. Dabei streunt gar kein Wolf in den Wäldern um Fayetteville, sondern ein Mastiffmix, der die Bewohner in Angst und Schrecken versetzt.

Mehr Fäden, mehr Bewegung, aber weniger Wing

Schade, dass hier mehr reingedrückt wird, als der Leser erwartet. Denn gerade die Ruhe und Gelassenheit aus dem ersten Band erwartet der Leser natürlich auch im zweiten. Doch hier begegnet er einen Mix. Denn es kommt viel dazu. Geheimnisse aus der Vergangenheit stören den Frieden und verstören den Leser. Einzig das „Jake-Problem“ geht Wing wie gewohnt an: abwarten, bis sich die Dinge regeln. Oder andere dafür sorgen, dass sie sich regeln. Auch das Problem mit seiner Mutter löst sich schließlich von ganz alleine. Nur um Roark muss er sich selbst kümmern, obwohl … nein, das wird jetzt nicht verraten.

Manchmal ist es nicht so klug, ständig nachzuladen. Manchmal reicht die erste Ladung einfach aus und jede weitere ist unnötig. Schade, der Zauber des gelassenes Sheriffs hat im zweiten Band nicht gehalten. Da war einfach zu viel Ladung im Lauf. Ladehemmung nennt man das.

5 von 10 Treffer

Bibliografische AngabenReiheninfo
Castle Freeman: Der Klügere lädt nach, ©2018 Nagel & Kimche

Castle Freeman: Der Klügere lädt nach, ©2018 Nagel & Kimche

DER KLÜGERE LÄDT NACH
Originaltitel: Old Number Five
Autor: Castle Freeman →
Erscheinungsdatum: 29.01.2018
Verlag: Nagel & Kimche Verlag ⇔
Seiten: 208
ISBN: 978-3-312-01058-5
Aus dem Englischen → von Dirk van Gunsteren →
Reiheninfo: Band 2 der Sheriff-Wing-Reihe →

Buchbeschreibung:
Sheriff Lucian Wings Erfolgsgeheimnis ist die Geduld. Doch nun hat seine Frau ihn rausgeworfen, und der neue Vorsitzende hält von Geduld nicht viel. Als sich in der Gegend einige kuriose Unfälle ereignen, bei denen junge Rowdys zu Schaden kommen, will der Vorsitzende die Fälle geklärt haben. Der Sheriff muss das Problem auf eine ganz neue Art lösen. Gefährlich sind nämlich nicht nur die bösen Jungs, sondern auch diejenigen, die die Gesetze selbst in die Hand nehmen … Auch in seinem dritten Thriller erzählt Castle Freeman mit trockenem Humor und meisterhafter Verdichtung und zeigt uns die USA von einer anderen Seite.

„Sheriff Wing“ – Reihe:

  1. Auf die sanfte Tour, 2017 im Nagel & Kimche Verlag
  2. Der Klügere lädt nach, 2018 im Nagel & Kimche Verlag

Hinweis: Die einzelnen Bände können unabhängig voneinander gelesen werden. Jeder „Fall“ ist in sich abgeschlossen.

  1. […] Der Klügere lädt nach, 2018 im Nagel & Kimche Verlag […]

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