Ein Dorf. Ein Toter. Und mittendrin Frau Maier. Die den Toten mal wieder als erste entdeckt hat und gleich mitten im Mordfall steckt. Dazu wirbelt sie auch gleich mal alten Staub auf. Denn das Dorf hat eine Geschichte und die führt zurück in den Zweiten Weltkrieg. Und ja, auf die Geschichte kann man nicht stolz sein. Kein Wunder, das nicht alle über den aufgewirbelten Staub glücklich sind.


Diese Frau Maier

Nicht nur, dass sie gerne mit sich selbst spricht, oder zwischendurch mit ihrer schwarzen Katze, ist diese Frau Maier auch ein Koffeinjunkie. Durch und durch. Schon alleine deswegen muss man sie mögen. Kaffee hat ja auch was mit Heimeligkeit zu tun. Nur bleibt es nicht bei schrulligen alten Kaffeeklatschtantengesprächen.
Denn diese Frau Maier stolpert auch gerne über Leichen. Genauer gesagt findet sie auf dem Parkplatz den alten Seitzinger im Auto. Tot. Mit so einem Loch im Hinterkopf. Zum Glück ohne Hirnmasse. Wer weiß, ob die rüstige Rentnerin so was ertragen hätte.

Auf alle Fälle ist sie damit wieder mittendrin. In einem Mordfall. Sehr zum Ärgernis des Herrn Brandner, dem Kommissar. Ihm kommt die Frau Maier eh schon suspekt vor. So viele Leichen, wie die findet, kann ja nicht normal sein. Und überhaupt hält er sie für senil.

So ein Mord im Dorf bleibt natürlich nicht geheim. Natürlich wird sofort der Fremde, der durch das Dorf stromert, verdächtigt. Was sonst? Fremde im Dorf!? Geht gar nicht.
Und dass die Dorfbewohner sofort den Fremden im Visier haben, geht für Frau Maier gar nicht. Also mischt sie sich wieder ein. In den Mordfall. Was Kommissar Brandner gar nicht schätzt. Wieder einmal.

Schrulliger Dorfkrimi

Für mich war es der erste Band mit Frau Maier. Und sicher nicht der letzte. So Dorfgeschichten sind halt ohnehin meist witzig zu lesen. Da herrschen ganz andere Gesetze. Jeder kennt jeden, jeder glaubt alles über den anderen zu wissen, und ein Zugeraster bleibt ein Zugeraster. Ja, so Dorfkrimis haben schon was. Eigenes.

Im vierten Band der Frau Maier – Reihe wird tatsächlich alter Staub aufgewirbelt. Denn der Mordfall hat was mit den Geschehnissen aus dem Zweiten Weltkrieg zu tun. Mit Schuld. Mit Sühne. Mit generationsübergreifender Last.
Dazu gibt es immer wieder alte Tagebucheinträge zwischendurch, die ein bisschen in die Zeit der 1944er und 1945er Jahre führen. Und die lesen sich trotz der Kürze erschütternd.

Auch die Dorfatmosphäre ist glaubwürdig. Ich weiß das. Ich wohne in einem. Da gibt es keine geheimen Besuche. Da hat jeder jeden im Visier. So ist das. Auf dem Land. Im Dorf. Bei mir in Kärnten, wie auch bei Frau Maier am Chiemsee. Nur die Dorfchroniken, die haben wir nicht. Die hat nur der Haller von Kauzing.

Ein Krimi, der Spaß macht

Frau Maier ist keine Superheldin in roten Strümpfen. Frau Maier läuft schon mal ohne Strümpfe in Gummistiefeln im Nachthemd unter dem Regenmantel aus dem Haus. Und so wirklich niedlich, wie man sich so alte Frauen vielleicht vorstellen mag, ist sie auch nicht. Genau das liest sich dann spaßig. So eine schrullige, alte Dame, die ihre Nase in Dinge steckt, die sie eigentlich nichts angehen. Sehr zum Ärgernis des Herrn Brandner. Den man da vollkommen verstehen kann.
Genau das liest sich dann originell. Und doch einfach. Denn so ein Dorf ist ja schön übersichtlich. Außer man wirbelt Staub auf. Dann erscheint auch so ein Dorf weniger idyllisch und mehr so wie eine geheime Illuminatigesellschaft. Das hat was. Vor allem: Spaß beim Lesen.

Für Krimileser, die Dorfgeschichten mögen, ein Lesetipp!

5 von 5 Treffer! Schrulliger, unterhaltsamer Dorfkrimi!

Bibliografische AngabenReiheninfo
Jessica Kremser: Frau Maier wirbelt Staub auf ©2018 Pendragon Verlag

Jessica Kremser: Frau Maier wirbelt Staub auf ©2018 Pendragon Verlag

FRAU MAIER WIRBELT STAUB AUF
Autor: Jessica Kremser →
Erscheinungsdatum: 22.02.2018
Verlag: Pendragon Verlag ⇔
Seiten: 320
ISBN: 978-3-86532-610-2
Aus dem Deutschen
Reiheninfo: Band 4 der „Frau Maier“ – Reihe

Buchbeschreibung:
In ein paar Tagen hat Frau Maier Geburtstag. Jetzt, da sie endlich Freunde hat, ein Grund zum Feiern. Doch dann findet sie auf einem Parkplatz die Leiche eines angesehenen Bürgers des Dorfes und die Lust aufs Feiern vergeht ihr. Eigentlich wollte Frau Maier sich ja aus Kriminal­fällen heraushalten – wenn da nur nicht ihr untrügliches Gespür wäre. War es der fremde Mann, der sich neuerdings im Dorf aufhält und von dem keiner weiß, wer er ist? Oder liegt das Motiv in der Vergangenheit des Opfers? Als ein zweiter Mord passiert, muss Frau Maier unbedingt weiter ermitteln und gerät in große Gefahr.

„Frau Maier“ – Reihe:

  1. Frau Maier fischt im Trüben (2012)
  2. Frau Maier hört das Gras wachsen (2013)
  3. Frau Maier sieht Gespenster (2015)
  4. Frau Maier wirbelt Staub auf (2018)

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