Aus teilweise wahren Hintergründen seziert, verpackt Bingül in die fiktionale Geschichte „Riskante Manöver“ erschreckende Schattenthemen der Pharmaindustrie. Allen voran zeigt er, wie PR wirklich funktioniert, nämlich durch emotionale Manipulation. Und das mit Figuren, die unterschiedlich sind und doch ein Ziel gemeinsam haben: Das Geschäft muss laufen.


Seit wir durch Bücher wie „Pharma-Mafia“, „Die weiße Mafia“, „Der betrogene Patient“ und Co. bereits einen Blick auf die dunklen Seiten unserer vermeintlichen „Gesundheitsindustrie“ werfen konnten, haben wir wohl einen kritischeren Blick auf Ärtze in Weiß und ihre Pillen-Lieferanten. Und auch ein anderes Verständnis gegenüber unserer vermeintlich gut geprüften Gesundheitspolitik.

Genau in dieses Wespennest stochert Birand Bingül mit „Riskante Manöver“. Und zwar über PR-Maschen.

„Sichere“ Medikamente

Medikamente sind sicher, wird nicht nur uns gepredigt, sondern auch der Pharmakonzern „Wenner“ ist sich absolut sicher, dass sein – speziell für Kinder hergestelltes – Medikament Validolor ein Wundermittel ohne Nebenwirkungen ist.
Doch nun liegt die kleine sechsjährige Sophie im Krankenhaus und kämpft um ihr Leben. Und weitere Kinder, die dieses Wundermittel ohne Nebenwirkungen bekommen haben, ergeht es ebenso.
Wenner muss Schadensbegrenzung betreiben, denn es geht um Millionen.

Master of Desaster

Hier kommt Mats Holm ins Spiel, der „Master of Desaster“, ein „Krisen-Junkie“. Er wird von Wenner angeheuert, um seine PR-Abteilung zu unterstützen und so den Konzern aus der Schusslinie zu ziehen.
Gemeinsam mit seiner Partnerin Laura May tüfteln sie eine PR-Kampanie aus, die sich durch die Ereignisse, die weiter folgen, allerdings dreht und wendet. Mittels emotionaler Manipulation werden mithilfe der Medien die Meinungen der Leser auf die Seite vermeintlich sicherer Medikamente gezogen.
Erschreckend, wie gut das funktioniert, wie ausgeklügelt PR-Berater sein können, wie skrupellos Menschen für ihre Jobs handeln können.

Wer an das Gute glaubt, …

… sollte wohl nicht das Buch lesen. Denn glaubhaft entwickelt Bingül hier ein Szenario, wie es wirklich stattfinden könnte. Dass Krankheit und Gesundheit in erster Linie ein Geschäft sind, zeigt er eindrucksvoll. Dass hier manipuliert wird, was das Zeug hält, kann der Leser Schritt für Schritt verfolgen.
Ob es nun um gefälschte Studien geht, Medikamententests an armen indischen Leuten, Schmiergelder, die fließen, … Bingül hat einige Schattenthemen dieser Industrie in das Buch gepackt.
Dazu noch Figuren, die dies glaubwürdig spiegeln.

Ein Buch der pharmazeutischen Schatten. Für Leser, die Kritik in Krimis suchen, ein Must-Read!

7 von 10 Treffer

Bibliografische Angaben
Birand Bingül: Riskante Manöver ©2018 btb

Birand Bingül: Riskante Manöver ©2018 btb

RISKANTE MANÖVER – BIRAND BINGÜL
Autor: Birand Bingül →
Erscheinungsdatum: 10.04.2018
Verlag: btb Verlag ⇔
Seiten: 448
ISBN: 978-3442716388
Aus dem Deutschen
Reihe: Band 1 der „Mats-Holm-Reihe“

Buchbeschreibung:
Der in Berlin lebende Mats Holm ist ein Genie der Krisen-PR. Gemeinsam mit seiner Partnerin Laura May boxt er Minister aus dem Kreuzfeuer der Medien, rettet Konzernen am Pranger den Aktienkurs oder bringt Promis im schwersten Shitstorm aus der Schusslinie. Für die perfekte PR braucht Holm nur eins: die Wahrheit. Doch die wollen die Auftraggeber nie verraten – und das aus gutem Grund.

Nun wird die Agentur von einem Giganten der Pharmaindustrie zu Hilfe gerufen. Mehrere Kinder sind nach Einnahme eines Medikaments des Unternehmens schwer erkrankt, ein Mädchen stirbt. Eine Pharmakritikerin wirft dem Konzern vor, unsaubere klinische Studien in Indien durchgeführt zu haben. Als ihr Informant tot aufgefunden wird und eine Mitarbeiterin des Konzerns spurlos verschwindet, spitzt sich die Situation zu. Holm gerät in ein Ränkespiel ungeahnten Ausmaßes.

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