Dem Kriminalroman „Der Dieb“ sitzt beim Lesen sprichwörtlich der Schalk im Nacken. Denn der Profidieb Nishimura muss seinen ungewollten Anhang vor Tokios Mafia schützen. Und das ist selbst für einen japanischen Robin Hood eine Herausforderung.


Robin Hood auf japanisch

Stehlen ist Prinzipsache. Zumindest für den Taschendieb Nishimura, der sich mit seiner Beute von den Reichen Tokios allerdings gar nicht selbst bereichern möchte. Manchmal gibt er nämlich den Armen etwas von seiner Beute ab. Wie so ein Robin Hood auf japanisch.

Nishimura ist ein Profi. Ein kleiner Schubs im Gedränge der U-Bahn und schon steckt die Brieftasche in seinem Mantel. Keine Ahnung, wie die dort dorthin gelangt ist. Ehrlich nicht!

Nishimura ist aber irgendwie auch – wie soll ich sagen – ein Pechvogel. Denn nicht nur Geldbörsen von Eskortdauerabonnenten landen in seinem Mantel, sondern bald hängt auch ein kleiner Junge am Mantelsaum. Und den wird er nicht mehr los.
Dabei wollte Nishimura den Jungen nur vor der Kaufhausdetektivin warnen, die das Stehlen des Kleinen ebenso bemerkt hatte. Zum Dank wird er weder den Jungen und dessen Mutter wieder los.

Und so Stehlen mit einem Jungen im Schlepptau ist echt mühselig. Besonders dann, wenn einem die Yakuza (Tokios Mafia) noch zusätzlich im Nacken sitzt.

Es darf geschmunzelt werden

Trotz der japanischen Mafia darf beim Lesen geschmunzelt werden. Die Geschichte liest sich mit Schalk im Nacken, denn Nishimura tappt ja ungewollt mit dem Anhängsel auf seinen Diebestouren und die Yakuza nutzt dies, um Nishimura für ein paar Aufgaben zu erpressen. Und dieser Turm, dieser bedrohlich aufragende Turm, ist ein schlechtes Omen. Japanische Symbolik oder so. Aber wer will schon sterben? Wer will schon Mutter und Kind auf dem Gewissen haben?

Ja, Nishimura ist aber auch ein Pechvogel. Zum Glück für den Leser, der mit der düsteren Geschichte bestens unterhalten ist. Nur das Ende, das Ende muss der Leser dann selbst austragen. Vielleicht weil in Japan keine Geschichte endet. Japanische Symbolik oder so.

Die klassische Methode ist, das Portemonnaie in dem Moment zu nehmen, wo du schubst. Aber eigentlich macht man es nicht allein. Man hat Helfer, in der Regel drei. Der sogenannte Rempler, der das Opfer ablenkt, der Abdecker, der die Szene im entscheidenden Augenblick abschirmt, sowie der Zieher, der zugreift.
Zitat aus dem Ebook „Der Dieb“ von Fuminori Nakamura, Pos. 972

4 von 5 Treffer. Ein Buch, dem der Schalk im Nacken sitzt.

Bibliografische AngabenWeitere Meinungen
Fuminori Nakamura: Der Dieb, ©2015 Diogenes Verlag

Fuminori Nakamura: Der Dieb, ©2015 Diogenes Verlag

DER DIEB
Originaltitel: Suri
Autor: Fuminori Nakamura →
Erscheinungsdatum: 23.09.2015
Verlag: Diogenes Verlag →
Seiten: 221
ISBN: 978-3-257-06945-7
Aus dem Japanischen → von Thomas Eggenberg →

Buchbeschreibung:
Er betreibt sein Metier in den belebten Straßen Tokios und den überfüllten Wagen der U-Bahn. Er stiehlt mit kunstvollen, fließenden Bewegungen. Er nimmt nur von den Reichen, Geld bedeutet ihm nichts. Er hat eine dunkle Vergangenheit, und diese holt ihn wieder ein. Die Beziehung zu einem kleinen Jungen, der ihn sich als Vaterfigur ausgesucht hat, macht ihn dabei verletzlich. Ein grandioser Thriller und eine dunkle, abgründige Geschichte über Schicksal und Einsamkeit, schnörkellos und atemberaubend erzählt.

Aus den Blogs:

  • Im Blog „Japanische Literatur“ ⇔ wird das Buch mit einer düsteren, ausweglosen Stimmung umschrieben. Fazit: Faszinierend!
  • Aus.gelesen ⇔ zum Buch: „Fuminori Nakamura ist Hochliteratur. Das nächste große Literaturding nach Haruki Murakami.“
  • Bleisatz ⇔ kommt zum Schluss: „Nakamuras deutschsprachiges Debut wirkt lange nach und hinterlässt den Wunsch nach mehr.“

Aus dem Feuilleton:

  • Deutschlandfunk Kultur ⇔ meint: „grandios schnörkellos“ und mit „tiefer Melancholie, ja Metaphysik überzogen“.
  • Elmar Krekeler meint in welt.de ⇔: „magisch, eiskalt, ziemlichziemlich toll.“

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