Sie leben mitten unter uns. Sie kennen unsere Sprache nicht. Sie sehen nie das Tageslicht. Geisterkinder. Dunkelkinder. Kinder aus Vietnam, ausgebeutet, eingesperrt, ausgenutzt und manche werden einfach irgendwo entsorgt. Ein Thriller über vietnamesische Geisterkinder, den man für „zwischendurch“ im Auge behalten kann.


Kinder

So Kinder sind ja schon was feines. Zum Beispiel kann man ihnen herrlich Angst einjagen, so dass sie das tun, was man sich von ihnen wünscht. Sie arbeiten für einen für eine Handvoll Essen. Und auch wenn man ihnen mal ein paar Tage Essen vorenthält, ihr Körper schafft es, dennoch die erwünschte Leistung zu erbringen. Ganz praktisch oder, besonders für so Drogenbanden.
Aber Kinder sind manchmal auch schwer erziehbar und setzen sich über Verbote hinweg. So auch Sam, dem es irgendwie gelingt, sich aus dem Bunker zu schleichen, obwohl er eigentlich dort eingesperrt ist. Oder Luka, der sich nachts aus der Wohnung schleicht, um einen Jungen zu beoboachten, der auf dem Bunkerdach herumklettert. Das sehen Drogenbanden dann natürlich gar nicht gerne und können auch mal richtig, aber so richtig, böse werden.

Kriminalhauptkommissare

Kriminalhauptkommissarin Mia Paulsen ist auch so ein Ding. Neu bei der Hamburger Polizei bekommt sie ihren Ex als Vorgesetzen vorgesetzt. Der teilt sie gleich mal für alte Fälle ein. Als Mia den Fundort einer Leiche besichtigt, stolpert sie wortwörtlich über einen neuen Toten. Frisch aus dem Raakmoor ausgebudelt sozusagen.
Und für Jens Bordasch, ihrem Vorgesetzen, ist sie wie ein schwer händelbares Kind: Sie hält sich nicht an Verbote und stochert in einem Fall herum, den er ihr nicht gegeben hat. Tja, so Kriminalhauptkommissare sind manchmal auch nicht gut für Drogenbanden. Schwieriges Geschäft!

Vietnamesen

Dann gibt es auch noch Tantchen. Was so süß und unscheinbar klingt, ist aber alles andere als ein Tantchen, zu der man auf Kaffee und Kuchen fährt. Und die ist gewieft, wie sie da so durch die Gegend einen auf alte Dame macht, hilfsbereit scheint, boah, so einem Tantchen möchte man nicht begegnen. In echt. Ob man es glaubt oder nicht, sie ist ein Teil des vietnamesischen Drogengeschäfts. Und ob man es glaubt oder nicht, sie macht ihr Ding ganz gut.

Nora Luttmer präsentiert hier eine Geschichte, in der es um vietnamesische Geisterkinder geht. Die gibt es wirklich, also in Echt, außerhalb der Buchseiten, im wahren Leben.
„Dunkelkinder“ handelt von bösen Jungs, die ein Drogengeschäft leiten, die gierig werden oder die Leichenentsorgung auf die leichte Schulter nehmen. Dann kleben einem natürlich bald die Handlanger des Drogenbosses an der rechten, die Polizei an der linken Arschbacke. Und böse Jungs machen eben immer böse Taten.

Eine leichte Lektüre für Thrillerfans

Abwechselnd erzählt Luttmer den Thriller über das vietnamesische Drogengeschäft. Der Leser verfolgt mal einen Handlanger bei der Arbeit, einem Geisterkind, dem Sohn des getöteten Polizisten Luka, oder Mia bei ihrer Arbeit. Dabei streut die Autorin kleine Details ein, die den Figuren mehr Tiefe geben, denn nicht nur der Fall will geklärt werden, sondern auch die kleinen und größeren Problemchen haben einen gemeinsamen Nenner.

Das ist unterhaltsam zu lesen, ohne vom Leser zu viel abzuverlangen. Nur schade, dass Luttmer, die in ihrem Studium Vietnam als Schwerpunkt hatte, gerade das Vietnamesische nur beiläufig behandelt. Der Thriller hätte ruhig etwas mehr Vietnam und etwas weniger Mainstream vertragen können.
Trotzdem: Gut zu lesen und für Thrillerfans ein Lesetipp für zwischendurch.

3 von 5 Treffer. Ein Thriller für zwischendurch!

Bibliografische Angaben
Nora Luttmer: Dunkelkinder ©2018 Droemer Knaur

Nora Luttmer: Dunkelkinder ©2018 Droemer Knaur

DUNKELKINDER
Autor: Nora Luttmer →
Erscheinungsdatum: 02.05.2018
Verlag: Droemer Knaur Verlag →
Seiten: 320
ISBN: 978-3-426-52193-9
Aus dem Deutschen →

Buchbeschreibung:
Ein Hochbunker in Hamburg, ein junger Mann, der mit einem Nachtsichtgerät auf dem Dach des Bunkers höchst Ungewöhnliches beobachtet, eine kantige Kommissarin, die sich mit einem alten Fall beschäftigen muss und dabei nicht nur im Raakmoor bei Hamburg die Leichen zweier Männer entdeckt, sondern auch ins Kreuzfeuer der Drogen-Mafia gerät.
Die Hamburger Journalistin und Autorin Nora Luttmer, deren Debütroman für den Glauserpreis in der Sparte „bestes Debüt“ nominiert wurde, legt mit „Dunkelkinder“ einen düsteren und hochspannenden Großstadt-Thriller vor, der unter die Haut geht und durch seine ungewöhnlichen Schauplätze fasziniert.
Bald zwei Jahre ist es her, dass auf einer Lichtung im Raakmoor im Norden Hamburgs die Leiche eines vietnamesischen Jungen entdeckt wurde. Bis heute konnte das Kind nicht identifiziert werden, es ist ein ‚Geist‘, ein „Geisterkind“, illegal und ohne Angehörige in Deutschland, nirgendwo gemeldet, von niemandem vermisst. Doch nun werden an derselben Stelle zwei Männerleichen gefunden. Die junge Kommissarin Mia Paulsen setzt alles daran, beide Verbrechen aufzuklären. Die Kommissarin ahnt nicht, dass sie in ein Hornissennest sticht und weitere Kinder in Gefahr bringt, als sie einer Spur zu einem alten, nur scheinbar verlassenen Hochbunker mitten in Hamburg folgt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: