Irgendwo in Bremen gibt es zwei Tote. Zumindest schließt die Pensionsbetreiberin Frau Sprotte darauf, dass der Zustand ihrer Gäste eindeutig auffällig aussieht.
Und irgendwo in Bremen hat der Kriminalrat Strelitz ein Problem: Seine Frau ist auf Kur und er somit alleine zu Hause. Zum Glück sucht der Austauschpolizist aus Frankreich gerade eine Bleibe. Zu zweit zu trinken fällt auch weniger auf.
Eine Bremer-Kleingartengeschichte mit Witz und Charme und verdammt schrägen Figuren!


Diese Bremer!

Bremer sind ein ganz schön schräger Haufen. Feiern Silberhochzeiten mit knallharten Abgang, vermessen Kleingärten auf hundertstel Millimeter genau und sind ohne Ehefrauen verdammt aufgeschmissen.
Als würden diese Bremer nicht ausreichen, kommt da auch noch ein französischer Austauschpolizist daher, der mit seinem Austauschvorgesetzten nicht nur gerne alkoholische Getränke tauscht, sondern sich auch gleich mal bei ihm einquartiert.

Aber von Anfang an. Startpunkt: Bremen.

Schräg, schräger, Bremen!

Es fängt ja schon bizarr mit Rudolf an. Rudolf, der vor sich hin brummt und mit einem Knall allmorgendlich seine Arbeit verrichtet. Rudolf, die Kaffeemaschine des Morddezernates wohlgemerkt. Ja, in Bremen haben Kaffeemaschinen einen Knall. Und einen Namen.
Oder Strelitz. Der Kriminalrat. Der, der ohne seine Frau ziemlich aufgeschmissen ist, denn die ist auf Kur und so lässt sich der Herr Kriminalrat allabendlich zu Hause volllaufen.
Oder Strelitz‘ Bekannte. Franziska Morgenstern, die Dame, die „in gewissen Abständen über Leichen informiert, auf die sie in ihrem Kleingarten-Alltag stößt“.
Das Kleingarten-Milieu ist überhaupt so eine Sache. Das wird nämlich vermessen. So in guter deutscher Manier, die keinen Handlungsspielraum lässt, in denen Paragrafen das Gesetz sind, und notfalls Abrissbirnen das Gesetz durchsetzen. Knallhart dieses Kleingartendings.

Die Figuren sind schräg. Verdammt schräg und noch mehr witzig. Perfekt für allmorgendliche oder allabendliche Unterhaltung.

Das mit dem Kriminalfall

So ein bisschen ist man als Leser schon geblendet von den schrägen Figuren, so dass der Kriminalfall sehr weit nach hinten gerät. Kein Wunder, Rudolf, die Kaffeemaschine, geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Brumm, brumm, und knall.
Aber da war was. Zwei Tote, denn „der Zustand ihrer beiden Gäste war eindeutig auffällig“, laut Frau Sprotte, deren Alter irgendwo über 70 liegt und die die Frühstückspension „Sonnenblume“ führt. Die Pension eignet sich aber auch verdammt gut für solche Taten, denn Frau Sprotte ist ziemlich schwerhörig und die Gästeanzahl ziemlich überschaubar.
Und dann liegt da bald auch noch eine Leiche vor dem Gasthaus. Und der Kriminalrat daneben. Ja, so ist das in Bremen.

Das mit dem Titel, Franziska und das Drogenkartell

Jetzt sollte man aber so richtige Krimifans etwas warnen. Denn der „Krimi“ liest sich wirklich gut, unterhält mit viel Witz und noch mehr Charme, aber doch ist es nicht so ein waschechter Krimi. Es gibt Polizei, es gibt Mord, es gibt Verdächtige, aber der rote Faden im Plot fehlt. Es wirkt ein bisschen chaotisch, ein bisschen undurchdacht, dafür mit Kaffeemaschine Rudolf im Gepäck. Brumm, brumm, knall.
Macht nichts, denn viel mehr zählt der Charme und Witz in der Geschichte und witzig ist die Geschichte wirklich. Nur bitte nicht den Titel zu ernst nehmen, Franziska kommt vor, wirkt aber mehr als eine Nebenfigur, die das Buch eigentlich nicht mal nötig hätte und das Drogenkartell könnte man eigentlich auch ersatzlos streichen. Also nicht alles eins zu eins erwarten.

Was euch auf alle Fälle erwartet, ist: ein Buch mit ganz viel Witz und Charme und hyperschrägen Figuren im Kleingartenmilieu. Ach ja, und – brumm, brumm, und knall – die wohl einzige deutsche Kaffeemaschine mit Namen. BUMM!

3 von 5 Treffer

Bibliografische AngabenReiheninfo
Hans-Peter Mester: Franziska und das Drogenkartell ©2017 KellnerVerlag

Hans-Peter Mester: Franziska und das Drogenkartell ©2017 KellnerVerlag

FRANZISKA UND DAS DROGENKARTELL
Autor: Hans-Peter Mester →
Erscheinungsdatum: 11.09.2017
Verlag: KellnerVerlag →
Seiten: 272
ISBN: 978-3-95651-160-8
Aus dem Deutschen →
Reiheninfo: Band 8 der Findorff-Krimi-Reihe →

„Findorff-Krimi-Reihe“:

  1. Franziska und die Findorffer, 2014 KellnerVerlag
  2. Franziska und der Geldkoffer, 2014 KellnerVerlag
  3. Franziska und der Senator, 2015 KellnerVerlag
  4. Franziska und van Gogh, 2015 KellnerVerlag
  5. Franziska und das Klassentreffen, 2016 KellnerVerlag
  6. Franziska und der Fall Ikarus, 2016 KellnerVerlag
  7. Franziska und die Bürgerwehr, 2017 KellnerVerlag
  8. Franziska und das Drogenkartell, 2017 KellnerVerlag → Rezension
  9. Franziska und der Kleingartenkrieg, 2018 KellnerVerlag
  1. Hach ja, der Verlag hat sich bei mir auch gemeldet. Hab den Auftakt hier liegen. Bin mal gespannt, was ich sagen werde 😀

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    1. Viel Spaß beim Lesen! Bin auch schon sehr gespannt, wie deine Meinung aussehen wird :-).

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