Morton Rhue ist für mich einer der wichtigsten Autoren unserer Zeit. In seinen Büchern greift er immer wieder kontroverse Themen auf, in „American Hero“ geht es um Krieg, Soldaten, Veteranen, die JRTOC-Programme an Schulen. Kritisch zeigt er, wie die USA neue Soldaten anwirbt und sie dann als Kanonenfutter verpulvert. „American Hero“ macht nachdenklich und sollte Pflichtlektüre an Schulen werden.


Niemand von uns, der noch am Leben ist, kämpft in diesem Moment für Amerika. Uns geht es weder um Demokratie noch um Frieden. Wir sind nichts als ein Haufen verängstigter 19- und 20-Jähriger, die alles tun, um am Leben zu bleiben.
Zitat aus dem Buch, S. 34

Krieg

„Schweres Geschützfeuer, Schreie, Rufe, Explosionen, dazu das schrille Pfeifen in den Ohren. Metallgeschosse,“ und mittendrin Jake, Sohn einer Soldatenfamilie aus Franklin, wie so viele aus dem Ort, denn Franklin ist eine Militärstadt und der Armeestützpunkt ist der größte Arbeitgeber in dieser Gegend.

Nun ist Jake zurück aus dem Krieg. Zurück in seiner Heimatstadt, ein humpelnder Held, denn er hat 5 Operationen hinter sich, sein Bein ist noch immer eingegipst und zwei Finger hat er verloren. Andere seiner Kameraden sind allerdings nie heimgekehrt oder sie sind heimgekehrt, aber nicht mehr in ganzen Stücken.
Über 200 Menschen jubeln ihm zu, schwenken Fahnen, rufen Parolen. Sein Großvater, der nur der General genannt wird, ist stolz auf ihn. Doch Jake fühlt sich nicht als Held, zu sehr kämpft er mit ständiger Alarmbereitschaft, mit den Geistern des Krieges, den grausamen Erinnerungen.

Kann sein, dass mein Körper heimgekehrt ist, der Verstand ist jedenfalls noch auf Krieg gepolt.
Zitat aus dem Buch, S. 14

Freiwilligen-Armee

Wie kann es sein, dass sich in den USA so viele junge Menschen der Armee verpflichten? Dieses Buch gibt Antwort darauf, und zwar ungeschönt. Die Armee scheint eine riesengroße Lobby zu sein, die überall ihre Finger manipulativ im Spiel hat. Das fängt schon in den Familien an, in den Schulen, im Umgang mit gebrochenen Helden. Jake Lidell ist so ein gebrochener Held, er wird herumgereicht wie eine Trophäe. Der Grauen des Krieges verfolgt den jungen Mann, er ist nicht mehr der, der er vorher war und findet nur schwer Zugang zum Alltagsleben. Er wird als wandelndes Werbeschild verwendet, natürlich um Neuanwerber zu gewinnen. Doch Jake kämpft mit sich selbst, denn jeder, der sich nach der Schule verpflichtet, könnte in den nächsten Monaten tot sein. Will er das Blut an seinen Händen kleben haben?

Bedrückend liest sich die Geschichte. Dieser Kampf, der auch nach dem Krieg weitergeht, dieser Kampf, mit sich selbst, der Vergangenheit, den Bildern, den Taten. Und zwischendrin diese riesengroße Armeemaschinerie, die den Jungen als Aushängeschild versucht einzuspannen. Und dem Volk, das stolz auf seine Kriegsveteranen ist und sich doch nicht um sie kümmert.

„… Findest du es nicht auch paradox, dass die USA ein Gesetz gegen den Einsatz von Kindersoldaten verabschieden, damit andere Länder aufhören, Kindersoldaten zu rekrutieren? Während wir das größte Kindersoldatenrekrutierungsprogramm der Welt haben?“
Zitat aus dem Buch, S. 85

Die wahren Bilder

Morton Rhue ist bekannt für kontroverse Themen in seinen Büchern. Bekannt wurde er mit „Die Welle“, die den Holocaust in unsere Zeit führt, oder auch „Asphalt Tribe – Kinder der Straße“, in dem es um obdachlose Jugendliche geht. In „American Hero“ zeigt er mit kritischen Blicken und Antikriegsbotschaften das Grauen dieser Kriegsmaschinerie. Junge Leute ohne Perspektive werden mit hohen Anwerbeprämien geködert. Das betrifft besonders die Minderheiten in dem Land, die kaum Perspektiven auf gut bezahlte Jobs bzw. Ausbildungen haben. Junge Leute aus Soldatenfamilien werden mit Pflicht und Ehre zum Vaterland, Stolz der Familien, von klein auf manipuliert.
„Junior Reserve Officer Training Corps“ werden diese Schulen genannt, die mit falschen Versprechungen, Geld und Lügen junge Leute darauf vorbereiten, in den Krieg zu ziehen.

Ist das nicht absurd? Ich bin alt genug, um zu töten und mit anzusehen, wie Menschen sich unvorstellbar grausame Dinge antun. Aber nicht alt genug, um ein Bier zu bestellen.
Zitat aus dem Buch, S. 56

Ein Antikriegsbuch, das Pflichtlektüre sein sollte

Wieder einmal schafft es Morton Ruhe, absolut wichtige Botschaften im Rahmen einer Geschichte unter Leser zu bringen. Dieses Buch macht nachdenklich, wie alle seine Bücher. Ein wenig mehr Emotionen hätte es zwar durchaus vertragen können, aber das wichtigste: Die Botschaften kommen an. Ein Buch, das man lesen muss, weiterverschenken soll, Pflichtlektüre in Schulen machen sollte.

Unser Land ist aus einem Krieg entstanden. Und auch wenn Ex-Präsident Ronald Reagan einmal sagte, ein Volk, das frei entscheiden kann, würde sich immer für den Frieden entscheiden, hat Amerika es geschafft, in den vergangenen 240 Jahren gerade mal 17 Jahre nicht irgendwo in irgendeinen Krieg involviert zu sein. Ich weiß nicht, warum das so sein muss, aber ich weiß auch nicht, was man dagegen tun kann.
Die letzten Seite aus dem Buch, S. 170

3 von 5 Treffer

Bibliografische Angaben
Morton Rhue: American Hero ©2018 Carlsen Verlag

Morton Rhue: American Hero ©2018 Carlsen Verlag

AMERICAN HERO
Originaltitel: The Price of Freedom (2017)
Autor: Morton Rhue →
Erscheinungsdatum: 21.03.2018
Verlag: Carlsen Verlag →
Seiten: 176
ISBN: 978-3-551-31685-1
Aus dem Englischen → von Nicolai Schweder-Schreiner →
Info: Jugendbuch ab 14 Jahre

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