Abdi Mahad, der Flüchtling, und Noah Sadler, der krebskranke Junge, sind beste Freunde. Durch ihre Schicksale haben sie es in der Gesellschaft schwer, das verbindet sie umso mehr. Doch eines Tages büchsen die Beiden aus. Als sie gefunden werden, ist der eine traumatisiert und redet kein Wort, und der andere liegt im Koma im Krankenhaus. Das erschwert die Aufklärung.


Zwei Schicksale, zwei Freunde, eine Freundschaft und die Nacht

Die Familie Mahad flüchtete vor dem Bürgerkrieg Somalia und lebt seit dem in England. Abdi freundet sich in der Schule mit Noah an, der aufgrund seiner Krebserkrankung nur schwer Freunde findet. Von da an sind die beiden untrennbar, verbringen viel Zeit miteinander und so lädt Noah seinen Freund zu einer Ausstellung seines Vaters ein, der Fotografien über Flüchtlinge ausstellt.
In dieser Nacht verschwinden die beiden Freunde. Als sie wieder auftauchen, redet der eine kein Wort und der andere ist nicht ansprechbar, sondern liegt bewusstlos im Krankenhaus.

Was habt ihr getan?

Was ist passiert?

Das ist die Frage, die sich durch das ganze Buch zieht. Bis zum Schluss bleibt es offen, was den beiden Jungs geschehen ist, was sie gemacht haben. Richtig geheimnisvoll, während drumherum es politisch heiß hergeht.
Macmillan zeigt nämlich das große Drumherum. Vorurteile und Leben der somalischen Familie, kurze Rückblicke lassen Schreckliches erahnen, Gegenwartsszenen zeigen die Presse, die versucht den Fall rassistisch auszuschlachten. Und zwischendrin ein Polizist, an dessen Karriereleiter bereits gesäbelt wurde und nun unter Druck steht, diesen Fall mit Samthandschuhen zu lösen.

Kein Thriller im Sinne von thrill

Wer nun aber einen Thriller erwartet, der den Leser atemlos durch die Seiten wetzen lässt, der den Leser mit Schockszenen erschreckt, wird enttäuscht sein.
Es ist eher ein politischer Roman, ein Roman, der zeigt, wie sehr Vorurteile in unserer Gesellschaft verhaftet sind, wie schwierig es für diese Personengruppe ist, die vorverurteilt werden. Und wie schwierig es für die Polizei sein muss, da zu ermitteln, ohne weitere Vorverurteilungen in die Welt zu setzen.

An manchen Stellen ist das Buch düster. Noahs Krankheit ist hoffnungslos und doch gibt er seine „Löffelliste“ nicht auf, und versucht, einige seiner Lebenswünsche zu erfüllen. Abdi hingegen ist ein Freund, wie man es sich wünschen würde. Er steckt viel zurück, um für Noah ein guter, bester Freund sein zu können.

Am schlechtesten kommt die Presse weg. Die Sensationsgier wird gezeigt, eindrucksvoll wie man aus einer Maus einen Elefanten machen kann. Wie Worte verdreht werden, wie Vermutungen den Weg in die Welt finden.

Aber es kommt kein thrill auf. Eher ein bedrückender Roman, der aufrütteln soll, der nachdenklich machen soll und der bis zum Ende ein großes Geheimnis bleibt: Was haben die Jungs in dieser Nacht getan?

3 von 5 Treffer

Bibliografische Angaben
Gilly Macmillan: Bad Friends ©2018 DroemerKnaur

Gilly Macmillan: Bad Friends ©2018 DroemerKnaur

BAD FRIENDS – WAS HABT IHR GETAN?
Originaltitel: Odd Child Out
Autor: Gilly Macmillan →
Erscheinungsdatum: 02.07.2018
Verlag: Droemer Knaur Verlag →
Seiten: 416
ISBN: 978-3-426-52258-5
Aus dem Englischen → von Maria Hochsieder →

  1. Huhu Iris,
    da bin ich ja mal gespannt wie die Geschichte bei mir wegkommen wird. Schade, dass es so keinen richtigen Thrill gegeben hat. Aber deine Rezension macht mich direkt neugierig auf das Buch!
    Liebe Grüße, Petra

    Antworten

    1. Das freut mich, dass auch nicht hypergelobte Bücher hier gut wegkommen :-). Es ist ja immer Geschmackssache beim Lesen und ich finde diese Bücher mit Durschnittsbewertung immer am schwersten zu rezensieren.

      Bin schon sehr gespannt, wie dir der Thriller gefallen wird und wünsche dir viel Spaß beim Lesen!

      Antworten

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