Drei Figuren, drei Schicksale, ein Land. Ein fernes Land. Ein Land im ständigen Ausnahmezustand: Sudan. Genau dorthin verschlägt es den Dozenten Gabriel, der nach einer Forschungspflanze sucht. Und genau dort trifft er auf Alek, die ihm helfen soll, zu dieser Pflanze zu gelangen. Nur hat die junge Frau ganz eigene Ziele. Und diese Ziele muss wiederum jemand ganz anderer aus eigenen Zielen vereiteln.
Nur leider kommt die Geschichte nicht in Fahrt, trotz Reise von Bristol nach Juba, und liest sich daher ziemlich, ziemlich langweilig. Schade.


Was lange währt, wird nicht immer gut

So eine Reise in den Sudan dauert ja laange. So mindestens 15 Stunden von London nach Juba um genau zu sein. So lange braucht auch mindestens die Geschichte bis sie nicht in Fahrt kommt. Denn der Leseausflug zieht sich. Verdammt lange.

Sudan, ein Land mit vielen Zielen

Denkt man an den Sudan, kommen einem sofort Bilder und Berichte von Bürgerkriegen, Entführungen, Anschlägen oder Überfällen vor Augen. Sudan ist nun kein Land, das man unbedenklich bereisen kann.
Das erfährt auch der Privatdozent der Uni Bristol Gabriel Cockburn. Angestachelt durch einen anderen Forscher will er im Sudan eine Pflanze suchen, die den Mittelpunkt seiner Forschung bildet.
In Juba angekommen lernt er Alek kennen, die ihn in den nördlichen Sudan führen soll. Doch die junge Frau hat ihre eigenen Ziele, auch wenn sie vorgibt, Gabriel zu den Pflanzen führen zu wollen.

Der Leutnant der britischen Luftwaffe George Bartholomew hat dagegen ganz andere Probleme. Abgesehen von seinen Darmproblemen, bewegen ihn nun auch berufliche Ängste. Er lässt im Sudan nicht nach einer Pflanze suchen, sondern nach einem Teil einer Drohne. Der geheime Drohnenangriff auf eine private Zivilperson ist nämlich gehörig schief gegangen und die geheime Operation erliegt nun der Gefahr aufzufliegen.

Drei Figuren, drei Schicksale, drei Ziele, ein Land klingen nach einer sehr fremdartigen, spannenden Geschichte. Doch leider liest sich die Buchbeschreibung deutlich spannender und geheimnisvoller als das Buch selbst.

Wenn die Story nicht in Fahrt kommt …

Die Geschichte fängt gut an. Gabriel ist so ein typischer Dozent, wie man ihn sich vorstellt. Verdammt langweiliger Typ, der natürlich mit dem Rad zur Arbeit fährt, der gewohnheitsmäßig morgens seinen Coffee-to-go trinkt, der aus Gewohnheit mit seiner Frau Jane verheiratet bleibt. Ein Typ, natürlich Mitte 40, der seine Hosenbeine sorgfältig gebügelt hält.
Dass ausgerechnet dieser langweilige Gewohnheitsmensch im Sudan völlig überfordert sein wird, steht außer Frage. Nur: Bis Gabriel dahin kommt, vergehen einige Lesestunden, ein paar hundert Seiten. Und viel passiert auf denen jetzt nicht.

Aber als Leser ist man berufsbedingt neugierig. Und wartet. Und liest weiter.

Zum Glück gibt es ja noch diesen Luftwaffenleutnant, der – zum Glück für den Leser – mit Darmproblemen kämpft. So Bakterien können wenigstens ein bisschen Stimmung aufkommen lassen, wenn sich schon sonst nichts tut. Ich habe mich vermutlich noch nie so gefreut, jemanden aufs Klo begleiten zu können.
Jetzt hat Bartholomew aber nicht nur Verdauungssorgen, sondern auch Bauchschmerzen anderer Art. Er muss den geheimen, vermasselten Drohnenangriff im Sudan nämlich unter allen Umständen geheimhalten. Sein Job hängt davon ab. Das Ansehen der Luftwaffe hängt davon ab. Die ganze Regierung hängt davon ab. Und so Armeetypen sind ja nicht gerade zimperlich, Kollateralschäden sind da bei den Vorgehen durchaus eingeplant.
Aber auch der Strang ist nur so la la und nicht unbedingt spannend zu lesen.

Das Problem liegt schon 1. bei den Figuren. Die sind nicht sonderlich empathisch. Nein, das Problem ist noch schwieriger. Als Leser kann man sie auch nicht hassen. Nicht lieben, nicht mögen, die sind einfach da, die sind einfach „wurscht“.
Das nächste Problem ist, dass es einfach nicht weitergeht. Da gibt es Sitzungen und Pläne auf der einen Seite, da gibt es Planungen auf der anderen Seite. Und selbst als Gabriel endlich im Sudan ankommt, gibt es da auch nur Planungen und keine richtigen Wendepunkte. Alles dümpelt so dahin. Nicht so wie ein Drohnenangriff, der aus dem Geheimen kommt und – bumm – mächtig Schaden anrichtet. Nein, eher so ein Rentnertrott, der sich gemütlich von Seite zu Seite von Bristol auf nach Sudan macht und dort weiter vom Südsudan, gemütlich, in den Nordsudan. Okay, und vielleicht zwischendurch mal von irgendeiner hässlichen und manchmal giftigen Blume aufgehalten wird und kurz innehalten muss.
Zum Schluss wird kurz mal rumgeballert, sofern man als Leser nicht schon dem Jetlag verfallen ist und das überhaupt noch mitbekommt.

Für mich war das Buch leider absolut langweilig zu lesen. Von der ersten bis zur letzten Seite. *gähn*

Und der Sudan?

Auch das Setting ist nicht sonderlich interessant, das eigentlich mit ein Grund war, warum ich sooo neugierig auf das Buch war. Die Geschichte führt zwar in den 54. unabhängigen Staat Afrikas, der so eine Mischung aus Hitze und Kalaschnikovs ist, aber für ein Land, das derart im Ausnahmezustand ist, wird gerade dieser Umstand sehr beiläufig erzählt. Das hätte ruhig – für meinen Geschmack – mehr ausgeschlachtet werden können, denn immerhin steht da vorne auf den Cover „Thriller“ drauf.
Okay, die Sudanesen sind vielleicht durch ihre eigene ausbeuterische, egoistische Art etwas gelungen und ein bisschen interessant, allerdings muss man bedenken, dass hier der naive Gabriel der Gegenpol ist, so dass gegen ihn auch sehr flache Figuren eine gute Figur abgeben. Vielleicht hat es mich auch deswegen nicht überzeugen können.

Ein „Salaam alaikum“ vielleicht beim nächsten Mal. Dieses Mal hat mich Andrew Brown leider nicht überzeugen können. Schade.

1 von 5 Treffer

Bibliografische Angaben
Andrew Brown: Teuflische Saat ©2018 btb

Andrew Brown: Teuflische Saat ©2018 btb

TEUFLISCHE SAAT
Originaltitel: Devil’s Harvest
Autor: Andrew Brown →
Erscheinungsdatum: 09.07.2018
Verlag: btb Verlag →
Seiten: 416
ISBN: 978-3-442-71480-3
Aus dem südafrikanischen Englischen → von Mechthild Barth →

  1. Cover und Titel sind ja feinst, hätten mich direkt angesprochen aber deine Eindrücke reichen mir, um zu wissen: Nöhö! Schade das die Geschichte so überhaupt nicht überzeugen konnte, die schöne arme Lesezeit!

    Hab einen sonnigen Samstag!

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    1. Hallo Janna,
      ich war auch sofort Feuer und Flamme für dieses Buch, als ich es entdeckt habe. Alleine schon das Sudan-Setting hat mich neugierig gemacht. Nur leider empfand ich die Geschichte dann ziemlich langweilig, viel zu ruhig, und ich musste mich tatsächlich disziplinieren, sie zu Ende zu lesen.
      Sehr schade, ich habe mir von dem Buch tatsächlich viel versprochen.

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      1. Oh das ist das Schlimmste! Vorfreude und dann solch eine Enttäuschung …

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