In Chabot, Mississippi, leben wirklich krumme Typen. Schwarze, Weiße machen sich das Leben schwer. Vorurteile, Rassismus und Ausgrenzungen sind an der Tagesordnung. Besonders Larry weiß, was es heißt, ein Außenseiter zu sein. Und nun lernt er auch noch die Folgen der Vorverurteilung kennen. Ein rassiger Roman mit Country-Flair, den man lesen und genießen muss!


Chabot. Mississippi.

Vielleicht könnte es ja ganz schön sein in diesem ländlichen Mississippi rund um Chabot. Dieses Land, das von Disteln, Goldruten, Salbei und Geißblatt überwuchert ist. Diese Gegend mit den schlammigen Zufahrten, den Wäldern und den Sägewerken, die unabläßig kreischen. Dieses Land hört sich verdammt nach idyllischen Country-Flair an. Wären da diese krummen Typen nicht. Und die gibt es dort zuhauf.

Von krummen Typen

Der einundvierzigjährige Larry Ott ist so ein Typ. Ein Außenseiter-Typ. Schon als Kind lebte er sehr isoliert, so sehr, dass seine Mutter jeden Tag darum betete, Gott möge ihm wenigstens einen Freund schicken. Als Junge verbrachte er die meiste Zeit mit Horrorbüchern. Ausgerechnet sein einziges Date sorgte für die krumme Wendung in seinem krummen Leben. Sein Date verschwindet. Spurlos. Seitdem wird Larry als Vergewaltiger und Mörder von den Einwohnern Chabots gesehen und festigt damit seine Außenseiterrolle für sein ganzes Leben.

Jeden Tag fährt er zu Otts Werkstatt. Warten auf Kundschaft, die nicht kommt. Für den Lebensunterhalt und den Aufenthalt seiner Mutter im Altenheim verschachert er nach und nach das geerbte Land. Er lebt zurückgezogen, Freunde hat er nicht. Obwohl… einen Freund gibt es. Einen anderen krummen Typen, der Larry manchmal besucht.
Als dann die junge Tina Rutherford verschwindet, zählt er wieder zu den Hauptverdächtigen. Und weil sein Leben wirklich krumm verläuft, landet er auch noch angeschossen im Krankenhaus. Nur einer will den Fall aufklären: Silas Jones. Ein schwarzer Polizist. Aber auch der ist ein krummer Typ wie alle hier.

Schwarz. Weiß. Eigentlich scheißegal.

Tom Franklin zeigt in diesem Roman, dass es scheißegal ist, welche Hautfarbe man hat. Manchmal haben Typen wie Larry einfach keine Chance auf ein gutes Leben. Weil das Leben selbst so ein krummer Typ ist, das krumme Dinge abzieht. Tom Franklin zeigt die Folgen der Rassentrennung, wie schwierig es ist, diese wieder zusammenzuführen, diese Vorurteile und Ausgrenzungen zurückzulassen.
All das packt Franklin in eine beeindruckende Geschichte mit Country-Flair. Beim Lesen ist es, als wäre man selbst an diesem Ort in Mississippi, streift mit den Jungs durch die Wälder, riecht das Abholzen der Bäume und fürchtet sich vor rauen Vätern, denen man nichts recht machen kann und die selbst ganz krumme Typen sind.

Die Geschichte selbst erscheint aussichtslos. Denn dieser Ort macht einem das Leben schwer, total ländlich fügt man sich seinem Schicksal, folgt Larrys Untergang entgegen und ahnt, dass es auch für die anderen Figuren kaum Hoffnung auf ein Happy End gibt.

Tom Franklin muss man lesen, wenn man Country-Flair genießen will, in ein Land abtauchen will, dass kaum Chancen auf ein gutes, leichtes Leben gibt. Es ist schwer, drückend und doch faszinierend. Hier in Chabot. Mississippi. Wo Ausgrenzungen an der Tagesordnung stehen. Und Isolation das Normale darstellt. Und Vorverurteilungen keine Ausnahme sind.

Ein rassiger Roman mit Country-Flair! Absoluter Lesetipp!

5 von 5 Treffer

Bibliografische Angaben
Tom Franklin: Krumme Type, krumme Type ©2018 Pulp Master

Tom Franklin: Krumme Type, krumme Type ©2018 Pulp Master

KRUMME TYPE, KRUMME TYPE
Originaltitel: Crooked letter, crooked letter
Autor: Tom Franklin →
Erscheinungsdatum: 27.07.2018
Verlag: Pulp Master Verlag →
Seiten: 350
ISBN: 978-3-927734-99-9
Aus dem Amerikanischen → von Nikolaus Stingl →

  1. […] An Chabot, Mississippi, werde ich wohl auch noch 2019 denken. Nicht weil dieses schlammige Land mit all seinen Sägewerken so verdammt guten idyllischen Country-Flair verspricht, sondern weil dort verdammt viele krumme Typen leben. Larry Ott, oder „Scary Larry“ wie die Leute ihn nennen, ist so einer. Ein Außenseiter, einer vor den man warnen muss, denn der Ex-Knacki ist ein Vergewaltiger, einer der gerade erst aus dem Knast entlassen wurde und so unschuldig in seiner Werkstatt sitzt, die sowieso keine Kunden hat. Zumindest wenn man dem Tratsch Glauben schenkt. Tom Franklin hält mit „Krumme Type, krumme Type“ dem Leser einen sehr kritischen Spiegel vors Gesicht. Eine Fratze der Vorurteile mit einen Blick auf den Rassentrennungsblödsinn. Verdammt gut gemacht und deswegen auch mein absolutes Lesehighlight 2018. Zur Rezension → […]

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