Das Land wird regiert von jemanden mit Allmacht, weil er seine Lebensmittel mit Nanotechnik manipuliert und daher die Meinung der Bürger lenken kann. Nur wenige sind immun gegen diese Nanotechnik und die lässt er durch seine emotionslosen Soldaten eliminieren.
Doch eine Rebellengruppe kämpft gegen dieses Regime und für die Freiheit.
Mit „Nanos“ hat der deutsche Autor Timo Leibig einen stimmigen rasanten Pageturner vorgelegt, den man als Leser nicht mehr aus der Hand legen kann. Lesetipp für Dystopiefans!


Nanotechnik mit Nebenwirkungen

Carl Oskar Fossey arbeitet an einem Heilmittel für Angstpatienten. Die Testreihe CY bringt den Durchbruch a la „Operation gelungen, Patient tot“, denn: Die Probanden sind hirngeschädigt, schmerzfrei, emotionslos, aber angstfrei.
Johann Kehlis übernimmt das Land, flutet die Bürger mit Nanopartikel über seine Bio-Lebensmittel und lässt sich feiern. Eigentlich ein schlaues Kerlchen, oder?

Nur einer bekommt davon nix mit: Malek. Er haust mit seinem Kumpel Tymon draußen im Wald in einem heruntergekommenen Wohnwagen ohne Strom und Gas, in dem es nach Blut, Eiter und dem Tod riecht. Dann läuft alles einfach ziemlich blöd für Malek, die Kehlianer dringen in diese abgelegene Gegend ein, Tymon stirbt und nimmt Malek auf dem Sterbebett ein Versprechen ab: Er soll sich um seine Schwester Maria kümmern. Doch Malek hat keine Ahnung, wo sich Maria befindet und außerdem ein anderes Problem: Er wird gefangen genommen und in den Kampf gegen die Kehlianer hineingezogen. Und die sind mächtig, denn die beeinflussten Bürger denunzieren selbst ihre nächsten Angehörigen und „beichten“ sie. Außerdem wimmelt es in den Straßen von der Garde und Konfessoren, emotionslose Soldaten, die Kehlis blind folgen und seine Befehle ausführen. Denn niemand, absolut niemand, darf ein schlechtes Wort gegen Kehlis richten.

Wie Malek sind ein paar Menschen intolerant gegen die Nanos, also nicht beeinflussbar. Und die siebt Kehlis mit seinen Soldaten und Beichten nun heraus. Niemand weiß, was mit den Leuten geschieht. Sie verschwinden einfach.

Willkommen in Deutschland. Im Jahr 2021.

Atemloser, dystopischer Pageturner!

Timo Leibig hat hier eine erschreckende Welt geschaffen, eine Welt, in der es gefährlich ist, eine andere Meinung zu haben, das Regime zu kritisieren, überhaupt gefährlich ist, Kontakt mit Menschen zu haben. Denn die Menschen sind gedankenmanipuliert, beichten selbst ihre Mütter und Ehefrauen, die dann einfach spurlos verschwinden. Da gibt es ein paar eindrucksvolle Szenen, die für Entsetzen sorgen und auch zeigen, wie sehr diese Nanotechnik die Menschen verändert und wie allmächtig Kehlis inzwischen schon ist. Der steht irgendwo über Gott oder so und das macht dieses Kehlis-Regime auch so brandgefährlich.
Die Szenen hat der deutsche Autor, der zuvor bereits mehrere Selfpublisher-Titel herausgebracht hat, sehr eindrucksvoll geschrieben. Und Timo Leibig sorgt dafür, dass die Hindernisse, Probleme, Knalleffekte nicht abreißen, denn die Story ist wie so eine Domino-Kettenreaktion, einmal ins Rollen gebracht unaufhaltsam dem Ende entgegen.

Die ganze Geschichte, das Setting, die Figuren sind wirklich verdammt gut durchdacht. Ich bin ja manchmal wirklich eine Pingeltante, aber Nanos konnte ich von der ersten Seite bis zu letzten einfach nur genießen.
Es gibt drei Figurengruppen: Die Bürger, die durch diese Nanotechnik gedankenmanipuliert sind und Kehlis als Held feiern und ihm blind folgen wie auch seinen Gesetzen; die Garde und Konfessoren, die diese Gesetze durchsetzen und die intoleranten Menschen, die ständig der Gefahr ausgesetzt sind, aufzufliegen oder gebeichtet zu werden. Aus der letzten Gruppe hat sich auch eine Rebellengruppe gebildet, die versuchen, das Regime zu stürzen und die Menschen von der Nanotechnik zu befreien. Innerhalb dieser Rebellengruppe läuft es aber nicht friedlich und harmonisch ab, denn so Menschen neigen ja dazu, unterschiedliche Meinungen zu haben, diese zu vertreten oder sogar auf ihre zu pochen. Konflikte, Konflikte, Konflikte. Ohne Atempause, rasant vom Anfang bis zum Ende. Herrlich!

All das steckt in diesem rasanten dystopischen Thriller, der als Pageturner wirklich schnell zu lesen ist. Als Leser wird man eingesaugt in die Story, mitgeschwemmt mit der Handlung, festgehalten mit all den kleinen – sehr durchdachten – Details in dieser dystopischen Nano-Welt.

Als Leser kann man nur hoffen, da kommt noch was. Eine Fortsetzung, denn das Ende ist so gehalten, dass es vielleicht, möglicherweise, hoffentlich, mit einem zweiten Band weitergehen kann.

Ein dystopischer Thriller, den man nicht mehr aus der Hand legen kann und bei dem einfach alles passt und stimmig ist. Absoluter Lesetipp!

„… haben sich Deutschland und die Welt verändert. Es gibt ein Regime, eine Garde, Konfessoren, Beichten – und uns Rebellen. … doch im Kern geht es um ein Grundbedürfnis, das Sie wohl mit am meisten zu schätzen wissen: Freiheit. Johann Kehlis hat es nämlich geschafft, fast die gesamte deutsche Bevölkerung zu versklaven.“ Er tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn. „Hier oben. Mit Nanotechnik.“
Zitat aus dem Buch „Nanos – Sie bestimmen was du denkst“ von Timo Leibig, S. 171

5 von 5 Treffer

Bibliografische Angaben
Timo Leibig: Nanos ©2018 Penhaligon

Timo Leibig: Nanos ©2018 Penhaligon

NANOS – SIE BESTIMMEN WAS DU DENKST
Autor: Timo Leibig →
Erscheinungsdatum: 24.09.2018
Verlag: Penhaligon Verlag →
Seiten: 512
ISBN: 978-3-7645-3190-4
Aus dem Deutschen →
Reiheninfo: Derzeit ein Einzelband mit Hinweis in der Danksagung, dass es vielleicht doch eine Fortsetzung geben wird („Wir werden sehen“ S. 510)

  1. Weil Gabi sacht ich will die Rezi bin ich jetzt hier und jetzt haben wir den Salat! Ich wills lesen – Ooorrr mannoooo 😀 😀

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    1. Hä, jetzt ist der alte Kommi doch da – der neue nicht? Bin ich doof? 😀 😀

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  2. OOOORRRRR, mein Kommi ist schon wieder weg!! Maaannoooo 🙁

    War inhaltlich jedoch ähnlich wie auf Twitter: SHAME ON YOU! Zum Glück brauch ich gerad jeden Groschen, sonst wärs bei mir eingezogen 😀

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  3. LÖSCH MEINE KOMMIS BLOß! Denken doch alle ich bin meschugge 😀

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    1. Ist schon wieder ein Kommentar verschwunden??? Wie machst du das bloß? Ich finde nix… 😱

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      1. Nee alles gut – aber wenn hier wer in den Kommis vorbeikommt und mich liest, werde ich für leicht bescheuert gehalten *lach

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  4. Huch, das scheint endlich mal wieder eine Dystopie zu sein die es wert ist gelesen zu werden. Bin ja von dystopischen Romanen/Thrillern sehr abgeschweift, da es im Grunde keine neuen Ansätze gab und die meisten es mit der Atmosphäre nicht hinbekommen haben. Ja, ich bin da eigen und erwarte mir vor allem ein atmosphärisch-düsteres Setting, welches mich mitnimmt.
    Ich schätze das kommt auf meine WL..wieder einmal. Bei Dir darf ich wirklich nur einmal im Monat vorbeischauen XD

    Liebe Grüße vom Balkon nebenan,
    Conny

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    1. Hallo Conny,
      ich habe heuer ja wirklich kein gutes Haar an den gelesenen Dystopien ausgelassen, aber NANOS hat mich wirklich gut unterhalten. Nicht nur das, ich hoffe auch, da kommt noch ein weiterer Band.
      Also von den heuer erschienen Dystopien, würde ich dir NANOS wirklich empfehlen. Auch die Idee mit der Nanotechnik fand ich gut, besonders wenn man über einige der Verschwörungstheorien gestolpert ist ;-).

      Freut mich, dass deine Wunschliste Zuwachs bekommen hat! Liebe Grüße nach oben, *aus dem Unterschlupf weit unter der Tiefgarage gesendet* :-), Iris

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