Diese Sheriffs in Arizona sind wirklich böse. Erst halten sie dich wegen einer Bagatelle an und dann entführen sie deine Kinder. Und niemand glaubt dir, denn der Sheriff behauptet, da wären keine Kinder im Auto gewesen.
Ein rasanter Pageturner über den schlimmsten Albtraum, den eine Mutter haben kann. Inmitten der staubigen Wüste Arizonas.


Okay, zugegeben. Ich bin voreingenommen. Ich habe eine Schwäche für literarische Fieslinge, ein Auge auf literarische Sheriffs, ein dunkles Herz für düstere Settings und jaaa, all das kommt in „Ohne Spur“ in komprimierter Form geballt vor.

Von daher muss ein Lesetipp dabei herauskommen. Das geht gar nicht anders.

Auf den Spuren eines fiesen Pageturners

In diesem Thriller verschlägt es uns nach Silver Water. Was so schön glitzernd klingt, ist aber ein richtig fieser Ort. Besonders dann, wenn man Audra Kinney heißt, eigentlich auf der Flucht ist und dort von einem – nein, dem (!) – Sheriff angehalten wird. Okay, das klingt jetzt nicht so dramatisch, so eine Verkehrskontrolle. Aber dieser Sheriff ist wirklich fies. Böse. Ganz böse. Und diese Kontrolle endet mit dem schlimmsten Albtraum, den eine Mutter haben kann.

Man könnte ja meinen, Silver Water wäre so ein niedlicher, kleiner Urlaubsort mitten in Arizona. Der Name klingt jetzt auch nicht sooo gefährlich. Aber der erste Blick täuscht. Gewaltig. Umgeben von Wüste vielleicht nicht gerade zum Wandern geeignet, etwas abseits einer riesengroßen Waldfläche vielleicht zum Entspannen, aber nichts da. Der Ort ist gezeichnet von Armut, heruntergekommene Häuser verstecken sich hinter verbarrikadierten Fenstern, sind umgeben von Maschendraht und werden gespeist von einem ausgetrockneten Flussbett.

Niemand will dort landen. Wirklich absolut niemand. Die, die können, sind längst weg.
Ausgerechnet hier wird Audra angehalten. Wie gesagt, von DEM Sheriff von Elder County. Sheriff R. Whiteside, ein Typ Mitte 50, der seit 25 Jahren Dienst schiebt. Und wie der Ort selbst, wirkt auch dieser Sheriff kalt und heruntergekommen.

Böse Geschichte mit bösesten Männern

Audra ist nicht alleine auf der Flucht, sondern ihre beiden Kinder sitzen auf der Rückbank, während ihre Mutter kurzerhand verhaftet wird. Deputy Collins soll sich um die beiden kümmern und sie an einen „sicheren“ Ort bringen, während Audra an einen anderen „sicheren“ Ort gebracht wird, nämlich direkt rein nach Silver Water, rein in eine Zelle.

Natürlich fragt sie ständig nach ihren Kindern. Doch nun fragt der Sheriff zurück: „Was für Kinder?“

Und ein fieser Pageturner setzt sich in Gang, der schlimmste Albträume erahnen und genau diese bewahrheiten lässt.

Willkommen in Silver Water! Dem Ort, den man besser umfährt.

Kurzweiliger Pageturner mit erschreckendem Hintergrund

„Ohne Spur“ ist rasant zu lesen. Packt den Leser von Anfang bis zum Ende und lässt ihn nicht mehr los. Ohne zu viel in die psychologische Tiefe zu gehen, zeigt er eine Welt der Lügen, der Macht des Geldes auf Kosten unschuldiger Kinder für Männer, die böser und schändlicher nicht sein können. Mittendrin eine Mutter, deren Leben noch nie leicht verlaufen ist, die eigentlich nur eines will: Einen Neuanfang, ein Leben, ein Leben mit ihren Kindern. Doch nun durchlebt sie den schlimmsten Albtraum, den eine Mutter haben kann: Ihre Kinder werden entführt. Und sie selbst wird bald als Kindsmörderin hingestellt. Egal, was sie sagt, was sie beteuert, niemand glaubt ihr. Nicht mal das FBI. Während sie in der Zelle schmort, kämpfen die Kinder mit den Großen, um ihre Freiheit, um ihr Leben.

Mehr wird jetzt nicht verraten, die Story liest sich ziemlich ausweglos, hoffnungslos, düster, deprimierend, denn der Kampf erinnert an David gegen Goliath.
Trotz des ernsten Hintergrunds, der schlimmer nicht sein kann, bleibt die Story an der Oberfläche und der Thriller kann als Unterhaltungsroman eingestuft werden. Ein schnelles Katz-Maus-Spiel, das dem Leser hier präsentiert wird, perfekt für einen Lesenachmittag, denn wie gesagt: Der Leser galoppiert durch die Seiten, auch wenn die Sheriffs von heute nicht mehr behuft unterwegs sind.

Für alle, die rasante Thriller mögen, ideal für einen verregneten Lesetag.

„Audra, bedenken Sie doch die Lage, in der Sie sich befinden. Sheriff Whiteside und Deputy Collins arbeiten seit Jahren im öffentlichen Dienst und haben sich nie etwas zuschulden kommen lassen. Mein Gott, Sheriff Whiteside ist sogar ein Kriegsheld. Er hat im Ersten Golfkrieg gedient und Orden und alles Mögliche bekommen. Sie dagegen sind ein ehemaliger Junkie und auf der Flucht vor der Jugendbehörde. Was glauben Sie, welches Gewicht Ihr Wort gegen das der beiden hat?“
Zitat aus dem Buch „Ohne Spur“ von Haylen Beck, S. 128

5 von 5 Treffer

Bibliografische Angaben
Haylen Beck: Ohne Spur ©2018 dtv

Haylen Beck: Ohne Spur ©2018 dtv

OHNE SPUR
Originaltitel: Here And Gone (2017)
Autor: Haylen Beck →
Erscheinungsdatum: 21.09.2018
Verlag: dtv Verlag →
Seiten: 384
ISBN: 978-3-423-21764-4
Aus dem Amerikanischen → von Wolfram Ströle →

  1. Elke Heid-Paulus 7. Oktober 2018 at 9:37

    Deine Besprechung macht Lust auf das Buch. Muss ich es doch mal aus dem SUB ziehen 😉 Übrigens, Haylen Beck ist ein offenes Pseudonym von Stuart Neville, und dass der schreiben kann, wissen wir ja…

    Antworten

    1. Hallo Elke!
      Stuart Neville steckt dahinter? Ahhh, dann ist alles klar, kein Wunder, dass mir der Thriller so gut gefallen hat, ich liebe Nevilles Thriller! Danke für die Info!!!
      „Ohne Spur“ ist sicher ein Thriller, der trotz des Themas kurzweilig im Gedächtnis bleibt, aber ich finde ihn perfekt, wenn man sich einmal nur unterhalten lassen möchte. Und das auf böse Art ;-).
      Viel Spaß dir beim Lesen, liebe Grüße, Iris

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  2. Würde es als Hörbuch nicht schon auf meiner Wunschliste sein, wäre es jetzt dort gelandet! Mich reizt die Geschichte sehr, aber ich muss zugeben das ich hinter Cover und Klappentext nicht solch ein gelungenen Thriller erwartet hätte.

    Hab einen mukkeligen Sonntag!

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    1. Hallöchen Janna,
      der Thriller ist reine Unterhaltungslektüre – trotz des brisanten Themas dahinter. Er geht nicht in die Tiefe, sondern lässt den Leser einfach einen Pageturner durchrasen. Aber auch das ist manchmal genau das Richtige.
      Und wie ich erfahren habe, steckt hinter dem Pseudonym Haylen Beck kein geringerer als Stuart Neville :-). Das sagt vermutlich alles. Dir schöne Hörstunden damit und einen wunderbaren Sonntag-Nachmittag!

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      1. Na dann ist die Hörbuchvariante wohl die bessere Wahl für mich. Jetzt krieg keine Kriese *lach, nie einen Neville gelesen …

        Sag ich noch leibe Grüße oder renn ich einfach?! 😀 😀

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