Ein Roman, der Hoffnungslosigkeit und Trostlosigkeit bis in den letzten Winkel des Lebens verbreitet. Aus dem es kein Entrinnen gibt, denn wer ganz unten geboren wird, kämpft auch ganz unten jeden Tag ums Überleben.
Schlicht erzählt Larry Brown über eine Gesellschaft, die sich in Alkohol ertränkt, um dieses trostlose Leben inmitten dieser Außenseiter nicht sehen zu müssen. Das Buch zieht runter. Lesen!


Dieses Mississippi scheint ein durch und durch alkoholgetränktes Land zu sein. Kein Wunder, dass Wade Jones seine Familie nach London Hill führt, wo er sich in die Reihe der trinkfesten Säufer einreiht und mit Mitleidstouren anderen ein paar Dollar abnimmt oder sie überfällt und ausnimmt.
Sein Sohn Gary ist ein anderer Schlag: Er ist bereit zu arbeiten, um dem ständigen Hunger und der Verwahrlosung seiner Familie wenigstens für ein paar Tage zu entkommen.
Und so treffen der Ex-Knacki Joe Ransom und Gary Jones zueinander, auch wenn Joe auf den ersten Blick nicht unbedingt einen besseren Eindruck macht. Auch er säuft nicht wenig, verspielt sein Geld und hat eine gescheiterte Ehe im Schlepptau. Als Vorarbeiter schickt er seine Männer als Baumkiller ins Land, wo sie mit Giften Bäume töten. Auch Gary ist bald einer von ihnen und er arbeitet gut. Und hart.

Trostlos, hoffnungslos, düster

„Joe“ ist ein durch und durch düsterer Roman. Ein Roman, der Hoffnungslosigkeit verbreitet und den Leser wie auch die Figuren trostlos zurücklässt.
Besonders Garys Familie entstammt der düstersten Noir-Linie. Wade, der sich einen Dreck um seine Familie schert, seine Frau schlägt, seine Tochter verprügelt, seinen Sohn bestiehlt und noch schlimmeres mit seiner jüngsten Tochter anstellt. Ein Taugenichts, der Last verbreitet, der zum Himmel stinkt, den niemand mag, den aber anscheinend alle aus Resignation irgendwie erdulden. Oder erdulden müssen.
Und mittendrin dieser Junge. Gary. Ein Kind, das viel zu schnell erwachsen wurde, das ums Überleben kämpft, das Leben nimmt, wie es kommt. Ein Junge, der offiziell gar nicht existiert, er hat keine Geburtsurkunde, dadurch keine Sozialversicherungskarte, offiziell gibt es Gary gar nicht. Das liest sich schaurig real auf dunkelste Art. Es zieht runter, weit nach unten, und hält selbst den Leser fest.

Aber auch Joe versprüht jetzt nicht helle Hoffnung. Eigentlich meint er es gut, er will Gary helfen. Aber dieses Land, dieses trocken staubige Land ist ein Ort, der irgendwie jeden hoffnungslos in seinen Klauen behält. Er kämpft mit seinen eigenen Dämonen und irgendwie ist hier alles ein einziger Überlebenskampf. Im schlichten Stil geschrieben, der die ganze Geschichte noch trostloser und realistischer macht.

Ein Highlight für Leser, die realistisch auf Leben blicken, die einfach schon am untersten Rand der Gesellschaft begonnen haben. Ohne Hoffnungsschimmer, ohne „Wir schaffen das“ – Versprechen.

In diesem Band erfährt der Leser übrigens auch die Vorgeschichte zu „Fay“ (Rezension → zu diesem grandiosen Südstaaten-Roman). Die Bände können aber unabhängig voneinander gelesen werden.

5 von 5 Treffer

Bibliografische Angaben
Larry Brown: Joe ©2018 Heyne Hardcore

Larry Brown: Joe ©2018 Heyne Hardcore

JOE
Originaltitel: Joe (1991)
Autor: Larry Brown →
Erscheinungsdatum: 29.10.2018
Verlag: Heyne Hardcore →
Seiten: 352
ISBN: 978-3-453-27176-0
Aus dem Amerikanischen → von Thomas Gunkel →

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