Bald wird er blind sein, dieser einäugige Bulle, der seinen Job hinschmeißt, als er von seinem Schicksal erfährt. Mit einer schwarzledernen Augenklappe und einer Leichenbittermiene starrt der Ire nun auf den Lauf seiner 38er. Ein kleiner Druck auf den Abzug und – beng – schon wäre alles vorbei. Während er überlegt, was er der Welt hinterlassen würde und Belfast 1978 wieder hochkommt, holt ihn eine andere Vergangenheit ein und bringt ihn zurück in die Gegenwart. Er ist Vater einer achtjährigen Tochter.

Was jetzt so düster und ruhig klingt, entwickelt sich aber zu einer wutentbrannten Geschichte, die durch Songtitel von The Clash unterteilt wird. Mc Cash drückt natürlich nicht den Abzug, sondern fährt zu seiner Tochter. Mit afrikanischen Gras, drei Schachteln Morphinsulfat landet er, gepeinigt von Schmerzen oder Wahnvorstellungen, im Tal des Meu. Dort findet er eine Kinderleiche und bei kindlichen Opfern sieht selbst der ehemalige Cop rot. Bald ist nicht nur er im Visier der örtlichen Polizei, sondern auch seine Tochter im Visier einer großen dunklen Machenschaft, deren Ermittlung den Iren bis nach Marokko führt und seine harte, gewalttätige Seite zum Vorschein bringt.

La jambe gauche de Joe Strummer

So lautet der Originaltitel (deutsch: Das linke Bein des Joe Strummer). Joe Strummer war Kopf der Band „The Clash“, der bei Auftritten das linke Bein hart aufstampfen ließ. Der Sänger und Gitarrist starb 2002 an einem nicht erkannten Herzfehler. Der Tod des Joe Strummer wirkt im Roman als Wendepunkt, denn Mc Cash hat kein Problem damit, seinen Job loszulassen, allerdings auch keinen Ansporn, die letzten Monate seines Lebens weiterzugehen, sondern verharrt in Erinnerungen. In Erinnerungen an seine Jugendzeit, seine Liebe, und an die Musik von The Clash.
Dieser Roman ist eine Hommage an The Clash, an Joe Strummer. Verpackt in einen düsteren Kriminalroman, der den sterbenden Ex-Cop noch einmal Auftrieb gibt und ihn wütend – oder stampfend wie Joe Strummer – alles niedertrampeln lässt, was seine wohl größte Hinterlassenschaft an die Welt gefährdet: seine Tochter. Auch wenn es zwischendurch sehr gewalttätig in der Geschichte zugeht, liest sich der Roman eher bedrückend, denn nicht nur Mc Cash weiß, dass alles im Leben ein Ende hat. Und dieser Gedanke ist immer anwesend.


Bibliografische Angaben:
Die Gewissenlosen
Caryl Férey →
Limes Verlag →, 26.11.2018
Übersetzung aus dem Französischen → von Michaela Messner →
ISBN: 9783641229061
240 Seiten
Einzelband

Caryl Férey: Die Gewissenlosen ©2018 Limes Verlag

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