Blake hat etwas von einem Phantom. Er arbeitet inoffiziell für das FBI, er steht auf keiner Gehaltsliste und seine Bezahlung ist nicht nur illegal, sondern befriedigt seine dunkelsten Triebe.
Timothy Blake ist anders. Ein Raubtier. Gut und böse in einem.
Blake hat aber ein Talent: Er beobachtet genau, ihm entgeht nichts und die Schlüsse, die er daraus zieht, sind für das FBI äußerst hilfreich.

Luzhin, der Leiter der Außenstelle des FBI Houston, ist auch anders. Denn er weiß um Blakes Laster und bezahlt ihn sogar damit.

Der Fall selbst fängt überschaubar an. Ein Junge wird entführt, Blake für den Fall engagiert und an seine Seite, sozusagen als Aufpasserin, die Agentin Reese Thistle abkommandiert. Eine Geldübergabe läuft dann ganz anders ab als geplant: anstatt des Jungen wird eine Schaufensterpuppe gefunden, in die man eine menschliche Niere gesteckt hat. Und dann entwickelt sich der Fall zu einem Overdrive. Leider ziemlich unplausibel und an den Haaren herbeigezogen. Hauptsache: blutig.

Interessanter als der Fall, der sehr überladen und überzogen wirkt, ist Blake: Der kämpft gegen seine dunklen Gelüste und die sind allgegenwärtig. Leider werden diese Triebe schon auf Seite 59 enttarnt und leider ist der Hintergrund, der Blake zu dieser dunklen Seite brachte, auch unglaubwürdig. Und leider entwickelt sich Blakes Leben wie nach einer Bauanleitung für Antihelden: ohne Schulabschluss, arbeitslos, obdachlos, schwer integrierbar, bla, bla, bla.

Der Thriller ist vielleicht etwas für Fans von Dexter. Es gibt einige Parallelen zum Buch, das fängt schon mit den Hauptfiguren selbst an, die wegen ihrer monströsen Veranlagungen ein Doppelleben führen müssen. Und ebenso ihre moralische Vorstellungen über die Auswahl ihrer Opfer sind vergleichbar: manche haben den Tod verdient. Für mich wirkt dieses Buch wie Fan-Fiktion und konnte mich wegen der haarsträubender Entwicklung nicht überzeugen.

PS: Eigentlich hätte ich gerne „Des Todes dunkler Bruder“ von Jeff Lindsay (die Buchform des ersten Bandes der Dexter-Reihe) hier auch vorgestellt. Aber „Des Todes dunkler Bruder“ fängt noch absurder (Mörderpoesie in Werwolf-Optik – „Mond, herrlicher Mond. Voller, feister, rotglühender Mond, die Nacht taghell, …“) an, so dass ich nach wenigen Seiten um garantiert verlorene Lesezeit trauerte und vom dem Lesen der Dexter-Ausgabe lieber absehe. Zum Glück ist Blake zumindest poesiefrei und die Rätsel am Anfang der Kapitel sind im erträglichen Bereich.


Bibliografische Angaben:
Blake
Jack Heath →
Heyne Verlag →, 14.01.2019
Übersetzung aus dem Englischen → von Angelika Naujokat →
ISBN: 978-3-453-43941-2
448 Seiten
Band 1 der Timothy-Blake-Reihe

Jack Heath: Blake ©2019 Heyne Verlag
  1. Na toll ….
    Erst lässt Du mich aufhorchen, machst mir Appetit auf einen Anti-Helden in der Hauptrolle und dunkle Triebe, die er nicht im Zaum halten kann. Und dann demontierst Du Stück für Stück meine Hoffnungen auf gute, düstere Lektüre. Ein bisschen Glaubwürdigkeit und Mühe bei der Konstruktion der Geschichte, bei der Motivation des Protagonisten sollte es schon sein.
    Hier kann ich dann bloß sagen: Danke für die Warnung.

    LG Gabi

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    1. Hallo Gabi,
      tja, der Klappentext klang einfach verlockend und machte neugierig, nur der Inhalt war dann doch nicht so wie erwartet. Aber vielleicht magst du dir ja „Parceval – Seine Jagd beginnt“ mal ansehen. Der Thriller geht in die Richtung von Blake (auch Gut und Böse in einem), für meinen Geschmack hält er aber, was er verspricht. Nicht, dass du hier mit leeren Händen weggehst und ohne neuem Buch auf deiner Bestellliste! 🙂
      Liebe Grüße, Iris

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  2. „Der Thriller ist vielleicht etwas für Fans von Dexter.“
    Dafür ein absolutes Nein!
    Man braucht keine billlige Dexter-Kopie 😉
    Zumal er kein Sterotyp ist.

    Und du hast übrigens dafür gesorgt, dass ich mit Dexter nun angefangen habe, also den Büchern. Hast du denn noch weiter gelesen? Denn das legt sich noch. Dexter führt Zwiegespräche mit seinem dunklen Ich. In der Serie wurde das super als die Stimme aus dem Off umgesetzt und es passt einfach zum Charakter. Gibt ihm Biss und sorgt für witzige Momente, wenn er Situationen kommentiert.

    Aber: Die Serie ist auch nicht für jeden was 😛

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    1. Der erste Band der Dexter-Reihe hat mich schon nach wenigen Seiten abgeschreckt. Da kommt so eine Werwolf-Poesie vor … igitt. Aber vielleicht gönne ich mir die Serie, von der habe ich bisher nur Gutes gehört! Mal schauen.

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      1. Werwolf Poesie O_O
        Haben wir die gleichen Bücher gelesen XD

        Kannst ja mal berichten @Serie, ob die was für dich ist!

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  3. Ich hatte das buch auch schon im Fokus, aber allein der Werbetext „Für Fans von dexter“ schreckte mich ab und ich hatte ja gesagt, dass ich mega gespannt auf deine Eindrücke bin! Leider bestätigst du meine Befürchtung und ich lasse brav die Finger vom Buch!

    Mukkelige Grüße :-*

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    1. Das Buch war leider nix für mich. Falls ich dir einen Tipp geben darf, der in diese Richtung geht: Parceval – Seine Jagd beginnt. 😉
      Liebe Grüße dir!

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