Dunkel, düster und rau sind nicht nur die Straßen in Glasgow, sondern auch die bösen Jungs, die hier ihr Unwesen treiben. In Alan Parks Kriminalromanen gibt es davon viele, denn selbst an den Händen der Gesetzeshüter klebt Blut.
„Tod im Februar“ ist genau das: dunkel, düster, rau, alles andere als eine Lektüre für Zartbesaitete, denn die bösen sind hier wahrhaftig böse.

Glasgow in den 1970er Jahren und ein neuer Fall
Im zweiten Band der Harry-McCoy-Reihe von Alan Parks geht es wieder dreckig und verdammt rau zu. Nach drei Wochen ist nun Harry McCoy wieder im Dienst und während er mit seiner Freundin Pale Ale säuft und sich mit Joints belüftet, wird auf dem Dach eines Rohbaus der 20-jährige Fußballheld der Celtics Charlie Jackson verstümmelt und ermordet. Der nächste Fall wartet und bringt McCoy wieder mittenrein in die Glasgower Unterwelt. Denn: Charlie Jackson war der Verlobte von Elaine Scobie, der Tochter des Clanführers Jake Scobie.

Viele Tote und noch mehr Blut
Charlie Jackson bleibt nicht der Einzige, der verstümmelt und ermordet wird. Alles deutet darauf hin, dass dieser Fall bzw. die Fälle etwas mit der Gangsterfamilie von Jake Scobie zu tun haben. Und nur einer kommt für solche Fälle in Frage: Kevin Connolly, der Killer für die widerlichen Aufträge von Scobie.
Doch nicht genug für McCoy, denn da landet ausgerechnet die Akte eines „erhängten Penner“ auf seinen Tisch und bringt McCoys Vergangenheit wieder ins Jetzt. In der Tasche des Toten findet man einen Zeitungsausschnitt, der einen ranghohen Polizeibeamten zeigt, den McCoy als „Onkel Kenny“ aus dem Kinderheim kennt. Und mit dem hat McCoy noch eine Rechnung offen. Also schnappt er sich seinen einzigen Kumpel, den Gangsterboss Cooper und zieht los, um diesen Kinderschänder eine Abreibung zu verpassen.
Die Fälle überschneiden sich und schon bald ist hier jeder jeden auf den Fersen mit massenhaft Drogen, rezeptpflichtigen Zeugs und viel Wut im Bauch.

Zwischen Kindesmissbrauch in schottischen Heimen und Gangsterrevierkämpfen
Dass McCoys Vergangenheit traumatisch ist, haben wir schon im ersten Band „Blutiger Januar“ (Besprechung im Blog →) erfahren. Dieses Mal gibt es noch mehr Einblicke in die Missbrauchsfälle der schottischen Kinder- und Jugendheime, zu denen teils angesehene Personen der schottischen Gesellschaft gehörten. Wie schwierig es ist, diese zur Rechenschaft zu ziehen, das erfährt der Leser im Nebenstrang dieses Thrillers.
Im Vordergrund aber steht die Story eines durchgeknallten, außer Rand und Band geratenen Auftragskillers, der nicht mehr zu bremsen ist und dem es Spaß macht, Leiden zuzufügen. Und der ist alles andere als zimperlich, so dass der Thriller nur für hartgesottene Leser in Frage kommt. Außerdem drohen in Glasgowers Straßen bald Revierkämpfe auszubrechen und da kann so ein psychopathischer Auftragskiller von Vorteil sein. Sofern man ihn bändigen kann.
Auch die psychiatrische Praxis der 70er Jahre bekommt einen Denkanstoß verpasst, und so werden psychiatrische Foltermethoden erwähnt, die es in der Realität gab. In Dänemark sogar bis in die 80er Jahre (Lobotomie).

Hart, dreckig, rau sind die Themen des zweiten Bandes und genauso düster und rau wie im ersten erzählt. Harter Stoff mit Speed, spannend erzählt, so dass man neugierig auf den dritten „März-Band“ warten darf.


TOD IM FEBRUAR
ALAN PARKS

Band 2 der Harry-McCoy-Reihe
Erschienen bei Heyne Hardcore am 28.10.2019
ISBN: 978-3-453-27198-2, 432 Seiten
Aus dem schottischen Englisch übersetzt von Conny Lösch
Originaltitel: February’s Son

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