Ein Sheriff, der lieber die Opfer aus der Gegend jagt, als nach dem Verbrecher zu jagen. Ein paar Männer, die Angst vor einem Mann haben. Eine Frau, die sich nicht einschüchtern lassen will. Und verdammt viel Grünzeug. Und Dialoge. Gute Dialoge. Wortkarge Gespräche.


Das Kaff der Hinterwäldler

Keine Frauen.
Keine Kinder.
Kein Verkehr.
Kein Telefon.
Keine Polizei.

Und somit auch kein Sheriff. Denn in den Towns hat der Sheriff nichts zu melden. Das weiß Blackway, ein übler Typ, der ziemlich bekannt in der Gegend ist, weil es nichts gibt, was er nicht tun würde, und auch dafür sorgt, dass alle es wissen.
Dadurch hat es Lillian nicht leicht, Hilfe zu finden, um Blackway das Handwerk zu legen. Der Sheriff schickt sie zu Whizzer, der mit seinen Kumpels in der Dead River Stuhlfabrik rumhängt, Dosenbier trinkt und über die Gegend philosophiert. Whizzer stellt ihr Nate the Great, dessen Intelligenz irgendwo zwischen einem Pferd und einem Traktor liegt, und Les, einen alten humplender Kauz, zur Verfügung.
Lillian weiß: Sie schaffen das nicht. Gegen Blackway haben sie keine Chance. Das ungleiche Dreiergespann macht sich auf in die Towns, wo schon mehr Menschen verschwunden sind, als nur ein paar Holzfäller und diese eine Studentin. Und Blackway sein Lager hat.

Dialoglastig und doch wortkarg

„Männer aus Erfahrung“ ist sehr dialoglastig. Das ist zugleich die Stärke und auch die Besonderheit des Buches. Als würde der Leser den Gesprächen der Männer lauschen, mal in der Stuhlfabrik, mal an Seite von Lillian.
Und doch sind die Gespräche wortkarg, wie die Männer dieser Hinterwaldprovinz. Einsilbig, wiederholend. Dennoch ist die Geschichte nicht langweilig, sie ist aufgrund der zahlreichen Dialoge anders zu lesen, eine Erfahrung für Leser.

„Ich habe keine Angst vor Blackway“, sagte Nate.
„Doch, hast du“, sagte Lillian. „Du sagst zwar, du hast keine Angst, aber du hast Angst. Wie alle. Es wird nicht funktionieren. Du schaffst es nicht. Auch gemeinsam schafft ihr es nicht, Lester und du.“
Zitat aus dem Buch, S. 143

Hinterwäldlerroman für zwischendurch

Die Abgelegenheit des Settings macht sich vor allem in den Figuren spürbar. Recht und Gesetz sind hier etwas anders. Etwas, das man selbst anpackt, wenn es sein muss. Als Holzfäller muss man eben nicht nur Bäume fällen. Und es fallen nicht nur Bäume in der Geschichte.
Die ganze Gegend ist anders. Für den Leser ein Ausflug in ein Kaff, ein Sprung in eine andere Welt, in der es rau und karg zugeht, in dem vor allem nur die Stärksten überleben. Und die Stärke kann sich jeden Tag ändern.
Auf alle Fälle: Das Buch ist einen Ausflug wert, auch wenn er nicht lange im Gedächtnis bleiben wird.

3 von 5 Treffer. Eine Erfahrung für Leser.

Bibliografische AngabenWeitere Meinungen
Castle Freeman: Männer mit Erfahrung ©2016 Nagel und Kimche

Castle Freeman: Männer mit Erfahrung ©2016 Nagel und Kimche

MÄNNER MIT ERFAHRUNG
Originaltitel: Go With Me
Autor: Castle Freeman →
Erscheinungsdatum: 22.02.2016 (TB 09.02.2018 im dtv Verlag ⇔)
Verlag: Nagel & Kimche Verlag ⇔
Seiten: 176
ISBN: 978-3-312-00687-8
Aus dem Englischen → von Dirk van Gunsteren →
Reiheninfo: Einzelband (Sheriff Wingate aus der Sheriff-Wing-Reihe kommt hier als Nebenfigur vor)

Buchbeschreibung:
Lillian, die in einem kleinen Nest in Vermont lebt, fühlt sich von einem undurchsichtigen Typen namens Blackway verfolgt. Eines Morgens liegt ihre Katze tot vor der Tür. Ermordet von Blackway, davon ist sie überzeugt. Der Sheriff kann nichts für sie tun, daher sucht sie Hilfe bei einem Club kauziger alter Männer. Beeindruckt von ihrem Mut, stellen diese ihr den betagten Lester und den hünenhaften, etwas beschränkten Nate als Schutz zur Seite. Lillian traut den beiden nichts zu, aber sie lassen sich nicht abwimmeln und so verfolgen sie Blackway schließlich gemeinsam. Dieser Thriller besticht durch seinen schrägen Humor und seine ungleichen Helden. Ein Meisterstück – dicht, intensiv und leuchtend!

Aus den Blogs:

  • Der Kaffeehaussitzer ⇔ beschreibt das Buch als “ liebevoll gezeichnet mit ziemlich schrägen Charakteren, roh, schweigsam und raubeinig“.

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