Ein Kleinstadtthriller mit zauberhaften 80er-Jahre-Setting, das abwechselnd ins Hier und Jetzt wechselt und den Leser mit Rätselraten bei der Stange bzw. in den Seiten hält. Und wie das in Kleinstädten manchmal so ist: Nichts ist so, wie es auf dem ersten Blick scheint. Denn hinter Ottonormal kann sich ganz viel böses verbergen.


Die 80er

Anderbury ist so eine niedliche Kleinstadt a la „normalo“. Auf dem ersten Blick allerdings nur. So mit Spielplatz, einer Schule, einem Wäldchen. Und Kindern, die sich im Wald zum Höhlen bauen treffen. Eigentlich alles ganz normal, wenn man sich nicht länger dort aufhält oder nicht genau hinsieht.
Anderbury ist aber auch so ein Städtchen mit ein bisschen schlechtem Karma. So zumindest wäre der Unfall auf dem Jahrmarkt erklärbar, bei dem ein Mädchen nicht nur schwer verletzt wird, sondern fürs Leben gezeichnet ist. Irgendwie scheint damit alles begonnen zu haben. Das Karma, die Unfälle, die Schlägereien, der Mord.
Hier wohnt Eddie. Eddie Munster, der mit dem Fahrrad und seinen Kumpels aus der „Gang“ Fat Gav, Metal Mickey, Hoppo und Nicky durch die Straßen driven. So richtig niedlich könnte man die geheimen Botschaften ihrer Kreidezeichnungen bezeichnen. Tja, wären da nicht der Mord im Wald und die Kreidebotschaften am Tatort. Denn dadurch sind so kindliche Kreidezeichnungen doch nicht mehr so niedlich, oder?

30 Jahre später

Erzählt wird auf zwei Zeitebenen. Der Leser begleitet Eddie, oder Ed, wie er 2016 lieber genannt wird. Man wird halt im Laufe der Jahre erwachsen.
Viel ist geschehen, damals in Anderbury. Das muss diese Karmasache sein. Und es geschieht wieder. Viel. Inklusive Kreide.

Tudor entfacht eine kleine Rätseljagd. Was ist geschehen? Warum? Wer war es? Wie so eine Zeichnung, die Strich für Strich zu einem Ganzen führt, so kristallisiert sich auch in der Geschichte erst eines nach dem anderen heraus.
Damit bleibt der Leser bei der Stange. Oder im Buch.

Denn die Jungs treffen sich wieder, als Mickey auftaucht und ein Buch über damals schreiben will. Doch manchmal ist es wohl besser, die Vergangenheit ruhen zu lassen, sonst kommt sie zurück. Wie hier. Denn kaum wird in der Vergangenheit gestochert, stochert sie zurück. Und es gibt wieder einen Toten. Und Kreidezeichnungen.

Netter Keinstadt-Thriller für jedermann

Schnuckelig zu lesen, ist die Geschichte schon. Auch wenn dieser Ausdruck für einen Thriller vielleicht auf dem ersten Blick nicht richtig passend erscheint. Aber Eddie und seine Gang sind so ein niedlicher Rückblick auf die 80er Jahre. Langweilig wird der Thriller nicht, denn es gibt Tote, es gibt Verdächtigte, es gibt Kleinstadttratsch und Kleinstadtkrieg. Und auch wenn es nur ein Städtchen ist, gibt es hier viele böse Menschen. Nur: Das Böse sieht man nicht auf dem ersten Blick. Überhaupt muss man hier mehrere Blicke wagen, um das Mysteriöse zu entschlüsseln.
So bleibt es bis zur Auflösung ein Rätselraten und damit spannend.

Ein Thriller für die breite Lesermasse, nicht zu blutig, zwischendurch niedlich, unterhaltsam, aber manchmal durchaus auch etwas mysteriös. Mit diesem Thriller als Geschenk kann man nichts falsch machen.

3 von 5 Treffer: Für mich: ein Thriller für zwischendurch.

Bibliografische AngabenWeitere Meinungen
C. J. Tudor: Der Kreidemann, ©2018 Goldmann Verlag

C. J. Tudor: Der Kreidemann, ©2018 Goldmann Verlag

DER KREIDEMANN
Originaltitel: The Chalk Man
Autor: C. J. Tudor →
Erscheinungsdatum: 29.05.2018
Verlag: Goldmann Verlag ⇔
Seiten: 384
ISBN: 978-3-442-31464-5
Aus dem Englischen → von Werner Schmitz →

Buchbeschreibung:
Alles begann an dem Tag, an dem sie auf den Jahrmarkt gingen. Als der zwölfjährige Eddie den Kreidemann zum ersten Mal traf. Der Kreidemann war es auch, der Eddie auf die Idee mit den Zeichnungen brachte: eine Möglichkeit für ihn und seine Freunde, sich geheime Botschaften zukommen zu lassen. Und erst einmal hat es Spaß gemacht – bis die Figuren sie zur Leiche eines jungen Mädchens führten. Das ist dreißig Jahre her, und Eddie dachte, die Vergangenheit liegt hinter ihm. Dann bekommt er einen Brief, der nur zwei Dinge enthält: ein Stück Kreide und die Zeichnung eines Strichmännchens. Und als die Geschichte beginnt, sich zu wiederholen, begreift Eddie, dass das Spiel nie zu Ende war …

Aus den Blogs:

  • Gabi vom Blog „Laberladen“ ⇔ lobt den Lesesog, den dieser Thriller in ihr hervorgerufen hat. Ausführlich beschreibt sie Eddie als „merkwürdigen Kauz“. Damit liegt sie goldrichtig.
  • Mit Stephen King kenne ich mich literarisch nicht aus. Aber „Couchpirat“ ⇔ liest in „Der Kreidemann“ die Inspiration des Großmeisters heraus und meint, es „entwickelt sich eine fesselnde Geschichte um Freundschaft, Rivalität und den dunklen Tiefen der menschlichen Psyche“.
  1. Ich hab das Buch inzwischen ins Auge gefasst, da die Rezensionen gar nicht so blutig klingen, wie das Cover vermuten lässt. (Ich weiß, da ist kein Blut, aber es sieht so aus als könnte es brutal werden.) Ich nehme gerade an einer Verlosung teil. Vielleicht habe ich ja Glück.

    LG,
    Mona

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    1. Drücke dir die Daumen für die Verlosung! Blutig und brutal ist es nicht, natürlich gibt es Opfer, ist ja ein Thriller, aber insgesamt ist es für die breite Leserschaft geeignet.

      Ganz viel Glück!

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  2. Ich musste ein bischen schmunzeln, wie Du das Buch zu einer netten Lektüre für zwischendurch relativierst, denn ich gebe Dir bei jedem Wort Deiner Rezension recht, ziehe persönlich aber ein etwas begeisterteres Fazit. Denn so wie das Buch ist, hat es meinen Geschmack einfach perfekt getroffen. Ich mag schon auch ungewöhnlichere Bücher, aber hier hat für mich die Kombination aus Figuren, Handlung und Stimmung einfach gepasst. Und der Hauch Skurrilität war dann noch das Sahnehäubchen obendrauf.
    Übrigens habe ich einige Bücher von Stephen King gelesen und „Der Kreidamnn“ hat auch mich sehr an seine Bücher erinnert, genauso wie das Couchpirat anmerkt.

    LG Gabi

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    1. Zwischen Stephen King und mir ist es etwas schwierig :-). Ich mag seine Filme, finde aber seine Bücher (zumindest die älteren, die neueren habe ich nicht mal angelesen) weniger spannend.

      „Der Kreidemann“ ist für mich auch gut gelungen, der Rest ist wirklich reine Geschmacksache. Und ich wüsste sofort ganz viele, für die dieser Thriller das perfekte Geschenk wäre. Freut mich, dass es dir sehr gut gefallen hat! Danke für deine Zeilen.

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  3. So fein das Cover auch ist und interesseant der Inhalt klingt. Es richt alles nach einem „Thriller für zwischendurch“ somit werde ich es erstmal nicht lesen. Da wartet sicher feinere Lektüre noch auf meinem SUB *zu Burke schiel*

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    1. Burke klingt gut!

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