Blöd gelaufen ist es für Jack Price, einem Koksdealer aus New York. Denn plötzlich ist er zum Abschuss freigegeben und eine Horde von Auftragskillern hinter ihm her. Dass der Ex-Kaffeeverkäufer sich nicht so einfach abmurksen lässt, ist klar. Hier erzählt er, wie es so läuft als Gejagter im Untergrund. Natürlich im Gangsterstyle.


„Ich bin ein schrecklicher Mensch“

… sagt Truhen über Truhen (Quelle: Suhrkamp) und auch die Hauptfigur des Thrillers Jack Price gibt dies über sich zu. Und damit hat er nicht unrecht, dieser „Businessplan auf zwei Beinen“.
Price ist ein Drogenbaron, bei dem die Kacke am Dampfen ist, um es mal total abgefuckt auszudrücken. Der Typ also, der sich selbst – nicht zu unrecht – schrecklich findet, der Typ, der mit „handgepflückten biodynamischen Honig-Meersalz-Roibuschtee in High-End-Schnabeltassen-to-go, der nach nussiger Fülle und Scheißdelphinsperma schmeckt“, herumläuft, dem läuft bald eine Horde von Auftragskillern hinterher. Das hat er natürlich einer Frau zu verdanken, dass die „Seven Demon“ ihm nun auf die Pelle rücken, dabei mochte Price diese „stinklangweilige, nette, bösartige, alte Kuh“ gar nicht. Aber als die Frau, die im Stockwerk unter ihm lebte, ermordet wird, muss Price Fragen stellen. Fuck!

Abgefuckter fuck!

Kurz darauf blutet Price seinen „Funky-Vintage-Teppich“ voll und ist zum Abschuss freigegeben. Es beginnt – in rüder, rauer, rotziger, abgefuckter Sprache des „Das-hier-bin-ich“-Jacks – ein Wettlauf im Sinne von: Wer erwischt wen zu zuerst?
Eine Gangsterjagd unter Bösen, nur dass auf der einen Seite Jack Price steht und die anderen in der Überzahl sind. Das wird dann natürlich ein bisschen im Supermanstyle abgehandelt, denn die anderen sind nicht blöd, sondern eine Truppe ausgewählter Dämonen, die ihr tödliches Handwerk verstehen. Und da Price mit seiner Underground Poesie die Geschichte erzählt, sollte er natürlich entweder gar nicht oder – aus einleuchtenden Gründen – erst am Ende abmurksen.
Selbstverständlich fehlt auch experimentaler, elektrisierender Sex nicht. So was gehört einfach zum Gangsterdasein. Und das ist wirklich abgefuckter fuck!

Schnell, rau, rotzig und, ja – fuck you auch very much -, mit fucking Underground Poesie erzählt Price über seine Jagd eines Gejagten mit vielen skurrilen Episoden, allerdings im Supermanstrumpfhosenstyle. Denn so ganz verwoben sind die Zusammenhänge nicht, so richtig glaubwürdig ist der Gangstertratsch auch nicht. Wer es skurril mit abgefuckten Gangsterslang mag, der wird seine Freude haben. Ansonsten:

2 von 5 Treffer! Kann man lesen, muss man nicht.

Bibliografische AngabenWeitere Meinungen
Aidan Truhen: Fuck you very much ©2018 Suhrkamp

Aidan Truhen: Fuck you very much ©2018 Suhrkamp

Fuck you very much
Originaltitel: The Price You Pay (2018)
Autor: Aidan Truhen →
Erscheinungsdatum: 16.04.2018
Verlag: Suhrkamp Verlag →
Seiten: 349
ISBN: 978-3-518-46865-4
Aus dem Englischen → von Sven Koch → und Andrea Stumpf →

Buchbeschreibung:
Jack Price ist Drogengroßhändler, aber nicht irgendeiner, sondern der beste: cleverer, smarter und intelligenter als alle seine Konkurrenten zusammen. Mr. Cool himself. Und er hat sich bislang noch vor jeder unliebsamen Überraschung geschützt. Als man jedoch eine Nachbarin, die unter seinem Penthouse wohnt, ermordet auffindet, wird er nervös. Sie war zwar eine garstige alte Frau, mit der er nichts zu tun hatte. Was aber, wenn dieser anscheinend sinnlose Mord eine Botschaft seiner Gegenspieler an ihn war?

Er zieht Erkundungen ein und erfährt, dass die »Seven Demons« auf ihn angesetzt sind – eine exklusive, hocheffiziente »Bruderschaft«, die bösartigsten, gnadenlosesten Hitmen überhaupt. Sieben absolut tödliche Spezialisten, die nie aufgeben und noch nie einen Auftrag vermasselt haben. Aber Price nimmt den Kampf an und setzt damit eine Kette unfassbarer Ereignisse in Gang …

Aus den Blogs:

Aus dem Feuilleton:

  • Marcus Müntefering bei „Spiegel Online“ ⇔: „Atemberaubend, erschreckend, toll!“
  • Lukas Jenker in der „Stuttgarter Zeitung“ ⇔: „Wer an Filmen dieser Art seinen Spaß hat und logische Zusammenhänge oder Löcher in der Handlung zugunsten eines coolen Effekts gerne übersieht, wird mit dem Thriller seine Freude haben.“
  • Christian Endres in „Die Zukunft“ ⇔: „„Fuck you very much“ ist ein zynischer, moderner Krimi mit schmissigem Sound und übersprudelndem Ich-Erzähler…“

Außerdem ist „Fuck you very much“ von Aidan Truhen auf Platz 4 der Krimibestenliste ⇔ im Mai 2018 vertreten.

  1. Damn 😀 Da lieferst du eine so toll geschriebene Rezension ab, dass ich das Schräge und das Fluchen schon wieder kultig genug finde, um neugierig zu sein – und dann kommt zum Schluss doch noch mal so ein Dämpfer. Hmpf, und nun? Ich glaub, ich taste mich erst mal an die Leseprobe heran.

    In jedem Fall sage ich aber DANKE, dass du mich wieder auf ein Buch neugierig machen konntest, welches ich sonst mit hochgezogener Augenbraue wieder ins Ladenregal zurückgestellt hätte. Und einmal CHAPEAU, dass es dir immer wieder so gut gelingt, die Sprache in deinen Besprechungen dem Ausdruck des jeweiligen Buches anzupassen! 🙂

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    1. Hallo Kathrin,
      vielen lieben Dank! 💕
      Zur Leseprobe würde ich in diesem Fall dringend raten, denn der Erzählstil ist schon sehr eigen, passt aber sehr gut zum Erzähler.
      Dankeschön für deine Zeilen, die mich verständlicherweise sehr, sehr freuen! Liebe Grüße und eine schöne Lesewoche dir!

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      1. Hallo Iris,

        zum Glück gibt es Leseproben. 😉 Ich glaube, das Buch wäre doch nichts für mich. Gegen eine derbere Ausdrucksweise hätte ich nicht mal was, aber mich nervten jetzt schon auf den ersten zwei Seiten diese pseudo-witzigen/frechen Sprüche und Wortkombinationen, mit denen der Protagonist überheblich auf seine Umwelt und die ihn umgebenden Menschen herabblickt. So etwas wirkt auf mich immer schnell affektiert und provoziert bei mir spätestens nach der dritten Wiederholung gelangweiltes Augenrollen. Ich kann mir vorstellen, dass es viele Menschen gibt, die diese Ausdrucksweise mögen oder in einem Buch als „erfrischend“ empfinden, mein Geschmack trifft es aber leider nicht. 😉 Dennoch bin ich dir dankbar, dass ich dank deiner Art, Bücher zu beschreiben, wiedereinmal über meinen Tellerrand geschaut habe. 🙂

        Liebe Grüße
        Kathrin

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        1. Hallo Kathrin,
          ja, die Leseproben finde ich auch immer hilfreich. Man muss nicht mehr die Katze im Sack kaufen und besonders bei Büchern, die in irgendeiner Weise etwas anders sind, sind Leseproben – für mich mittlerweile – unverzichtbar.

          Mir gefällt normalerweise auch so ein bisschen Gangsterstyle in der Erzählersprache. Hier war es für mich mehr so Underground Poesie, weswegen ich jetzt nicht ganz zufrieden damit war. Von daher: Ich kann es verstehen :-).

          Schönes Lesewochenende dir! Und danke für deine Rückmeldung!

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  2. Och ja, doch. Ich mag obercoole hard boiled Gangster, die sich in einer eigentlich ausweglosen Situation befinden und gegen noch bösere Gangster kämpfen müssen. Deshalb reizt mich das Buch schon irgendwie. Allerdings brauche ich dazu eine menschliche Komponente, eine Schwäche des Mr. Cool, die die Verzweiflung unter all der Coolness erahnen lässt. Das habe ich aus Deiner Rezension nicht herausgelesen. Ist das da oder bleibt es bei der fluchenden Oberflächlichkeit der Charaktere?
    Das Stichwort skurril lässt mein Interesse aber schon wieder steigen.
    Ich bin hin und her gerissen und behalte das Buch mal im Auge.
    LG Gabi

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    1. Hallo Gabi,
      Price ist kein Mr Perfect und das weiß er auch, obwohl er nach außen hin auf obercool macht ;-). Das kommt zwischen den Zeilen schon durch. Was noch sehr deutlich rauskommt, ist: Es kommt nicht immer so, wie man es sich wünscht oder plant. Also ich denke, du solltest mal reinlesen. 🙂
      Wäre auch sehr, sehr neugierig, wie das Buch bei dir ankommt. Liebe Grüße, Iris

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      1. Danke für die Ergänzung! Ich denke auch, dass ich das Buch einfach selbst lesen muss 🙂
        LG Gabi

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  3. Also Cover und Titel sprangen mir in der Buchhandlung direkt ins Auge. Nachdem ich jedoch den Klappentext las, war ich mir mit dem Lesen wollen nicht mehr ganz so sicher. Denn um dich zu zitieren, solche Bücher arten gerne in „Supermanstrumpfhosenstyle“ aus und dann … äh nein danke!

    Aber deine Rezension hab ich mehr als gerne gelesen und sie dabei gefeiert! Denn um auf unseren kleinen Austausch zurück zu kommen: ich LIEBE deinen schurkigen Eindrücke!! *-*

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    1. Janna, Janna, Janna, …

      DANKESCHÖN!!!

      😍😘

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  4. […] auf ein sprachlich rotziges, „abgefucktes“ Buch, Mord und Drogenmilieu? Dann ist „Fuck you very much“ von Aidan Truhen vielleicht etwas für euch – vorausgesetzt euch ist die eigentliche Handlung weniger wichtig, […]

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