Helena Faber ist zurück aus der Welt des Vergessens und trifft wohl auf das schlimmste Schicksal, das eine Mutter erfahren kann: Ihre Töchter wurden von einem Kinderhändlerring entführt. Gemeinsam mit ihrem Polizistenmann sucht sie nach den Töchtern und erlebt wahrlich sieben Kreise der Hölle. Höllisch, bösartig, rasant, packend entführt Wilhelm den Leser in den Abgrund.


Achtung, die Besprechung spoilert den ersten Band →!

Neun, nein, sieben Höllenkreise

So Höllenkreise kenne ich eigentlich von Dante Alighieri. Bei ihm waren es neun. Sieben sind es bei Uwe Wilhelm, denn sein höllischer Kreislauf bewegt sich innerhalb von Geheimorganisationen und Menschenhandel. Und da reichen sieben völlig aus. Nebenbei bemerkt, sieben steht auch gerne für Göttliche Vollkommenheit, wird aber auch gelegentlich für die Vollendung des Bösen verwendet. So viel kann ich verraten: In diesem Buch vollendet sich das Böse. Und wie!

Vergeben? Vergessen? Verzeihen? Bullshit!

Das verlorene Gedächtnis aus dem ersten Band der Reihe von Staatsanwältin Helena Faber ist vergessen. Nicht vergessen ist allerdings der Dionysos-Fall, denn Helenas Vorgesetzter der Berliner Staatsanwalt Georg Paulus ist ein Teil eines Netzwerks von Mädchenhändlern und Vergewaltigern und untergetaucht.
Helenas Töchter Sophie und Katharina werden entführt und die Spur führt zu einem skrupellosen Menschenhändlerring, der sich hinter Kunst versteckt und als Kunst tarnt. Helena Faber und ihr Mann Robert, von dem sie nach wie vor getrennt lebt, suchen nach ihren Töchtern. Dabei werden Grenzen gesprengt, wortwörtlich, denn wenn man jemanden das Liebste nimmt, hat derjenige nichts mehr zu verlieren. Knallhart geht es los. Und noch härter endet es.

Zack, bumm, Wilhelm!

Uwe Wilhelm macht es auf knallhart. Zack, lässt er gleich mal die Mädchen von Helena entführen. Zack, zack landen die nicht bei irgendwelchen Entführern, sondern bei Entführern der allerschlimmsten Sorte: Pädophile. Und zack, zack – zack, gehts gleich weg von Berlin, nach Saigon (Vietnam) und von dort weiter über einen Viertel Globus, weil so Mädchenschändler und Kinderschänder ja ganz schön weit verstreut sind.
Ob man es glaubt oder nicht, auch Rashid Gibran ist wieder mit von der Partie und überrascht wohl nicht nur Helena, sondern auch den Leser. Der lässt dieses Mal richtig tief blicken und ist wieder seine Empathielosigkeit auf den ersten Blick wiederzuerkennen.

Erbarmungslos gefangen im Höllenkreislauf

Jetzt sollte man vielleicht noch anmerken, dass Uwe Wilhelm Drehbuchautor ist. Denn das merkt man auch dem Text an. Die Szenen wechseln schnell, rasant von einem Actionpoint zum nächsten. Und die Story steigert sich immer böser in eine Welt hinein, von der man als Leser eigentlich gar nix wissen will. Kinderhandel ist wohl die schlimmste Sorte an Thrillermaterial und ganz sicherlich nicht für jedermann geschrieben. Wilhelm lässt aber nicht nur einen rasanten Thrillerplot auf den Leser los, sondern auch moralisch tief blicken.
Denn hinter dem Ring stecken ranghohe Politiker, die eigentlich durch ihre Immunität unantastbar sind. Das macht das Ganze schon schwerer erträglich, noch düsterer, noch unfassbarer als es ohnehin schon ist.
Aber wo Dunkelheit ist, gibt es auch kleine Lichtblicke. Natürlich sind nicht alle involviert in diesem Geheimbund und die Guten kämpfen wirklich ebenfalls mit harten Bandagen. Müssen sie auch, denn ihre Gegner fühlen sich wohl in den sieben Höllenkreisen.

Moralisch mindestens zwei Blicke wert!

Helena Faber ist für mich noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. Aber das macht nichts, weil das Buch so viele moralische Seitenblicke wirft, dass man gar nicht weiß, wo man als Leser hinsehen (oder wegsehen) soll.
Das fängt bei einem Polizeiapparat an, in dem es Verräter und Abtrünnige gibt. Bald wissen Helena und Robert nicht mehr, wem sie noch vertrauen können. Das geht weiter mit besten Freunden, die gekauft sind. Das endet auch nicht dort, wo die wirklich bösen Höllenteufel sitzen, denn die sitzen so hoch, die sind unantastbar. Nein, sogar dazwischen gibt es moralische Blicke: Auf homosexuelle Paare, die einfach versuchen, ein normales Leben zu leben. Auf Frauen, die schon lange den Glauben an Gerechtigkeit verloren haben. Aber auch auf Frauen, die ohnmachtsartig das System am Laufen erhalten. Auch auf eigentlich gute Menschen, die nicht vor Selbstjustiz zurückschrecken. Auf Männer, die Frauen als Ware sehen, selbst Kinder wie lieblose Spielzeuge behandeln. Seitenblicke und -hiebe wohin man schaut.
Und das ist verdammt gut eingebaut.

Nichts für zarte Nerven!

Der Thriller ist wirklich knallhart, schon vom Thema her nur für unerschrockene Leser geeignet. Der Thriller ist aber auch moralisch absolut gut umgesetzt, denn er zeigt das Dilemma von allen Seiten ohne zu werten. Aber da muss man auch als Leser erst einmal durch können.
Das Buch ist kein Spaziergang, das Buch ist ein Spießrutenlauf gegen die Zeit, gegen eine Macht, gegen eine Ohnmacht. Und das Buch endet dort, wo es angefangen hat: in einem Höllenkreis.

5 von 5 Treffer!

Bibliografische AngabenReiheninfo
Uwe Wilhelm: Die 7 Kreise der Hölle ©2018 Blanvalet

Uwe Wilhelm: Die 7 Kreise der Hölle ©2018 Blanvalet

DIE SIEBEN KREISE DER HÖLLE
Autor: Uwe Wilhelm →
Erscheinungsdatum: 21.05.2018
Verlag: Blanvalet Verlag →
Seiten: 448
ISBN: 978-3-7341-0345-2
Aus dem Deutschen →
Reiheninfo: Band 2 der Helena-Faber-Reihe →

„Helena-Faber“ – Reihe:

  1. Die sieben Farben des Blutes, 2017 bei Blanvalet Verlag → Rezension
  2. Die sieben Kreise der Hölle, 2018 bei Blanvalet Verlag → Rezension

Hinweis: Die einzelnen Bände unbedingt der Reihe nach lesen, da die Fälle nur teils abschließen und im folgenden Band fortgesetzt (gesteigert) werden!

  1. […] Die sieben Kreise der Hölle, 2018 bei Blanvalet Verlag → Rezension […]

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  2. Hab es mir anders überlegt, nach den ersten Sätzen, das mit dem Lesen hier. Könnte sein das ich mich selbst spoilere. Also erst den ersten Band besorgen, dann komme ich wieder vorbei :-*
    Liebe Grüße
    Kerstin

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    1. Yeah! Bin schon sooo gespannt, wie dir Helena Faber gefallen wird. Schade ist nur, das wäre ein grandioses Leserundenbuch gewesen ;-). Da haben wir echt was versäumt. Viel Spaß beim Lesen dir!

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