Es geht in die Stadt des Bösen. Direkt hinein ins düstere Glasgow der 70er Jahre, in die Stadt, die von Banden beherrscht wird, in der man entweder Bandenmitglied, Prostituierte oder Polizist ist. Oder irgend so ein Finanzbonze, der sich für Geld alles leistet. Auch Leben anderer.
Guter Auftakt zur neuen Reihe mit Detective Harry McCoy, der selbst nicht ganz sauber ist. Aber wer ist das schon? In Glasgow.


Böse. Böser. Glasgow.

Glasgow scheint ja der perfekte Ort für Abenteuerurlaub zu sein. Zumindest für Masochisten, die nicht an ihren Leben hängen. Genau hierhin verschlägt es den Leser in „Blutiger Januar“. In eine Stadt, die so böse ist, in der es anders als anderswo läuft, da sie sonst „vierundzwanzig Stunden am Tag verdammt nochmal im Krieg“ wäre. Eine Stadt mit Straßen der Verdammten, in denen sich weder die Polizei noch die Heilsarmee traut. Eine Stadt, um die man sich nicht streitet, denn irgendwie will die keiner haben und doch sind alle mitten drin.

Also der perfekte Ort für einen düsteren Leseabenteuerausflug für Thrillerfans. Das gefällt schon mal.

Böse Buben.

Zu einer bösen Stadt gehören natürlich auch jede Menge böse Buben. Natürlich gibt es die hier. En masse.
Das fängt schon mal mit dem dreißigjährigen Detective Harry McCoy an. Der hängt irgendwie auch in Glasgow fest, die Stadt, die ihn nicht loslässt, die ihn mit dunkler Vergangenheit verfolgt, ihn hinein stürzen lässt in die ebenso dunklen Straßen, gefährlichen Bezirke und anfangs auch gleich mal nach Barlinnie, einer ebenso netten Bleibe für verurteilte Verbrecher. Denn dorthin wird McCoy geordert. Von einem Häftling. Aber McCoy hat sowieso zwielichtige Freundschaften, dürfte für ihn also keine Abwechslung sein, so einen bösen Buben hinter Barlinnies Gefängnismauern zu besuchen. Vielleicht ist der Ort nur etwas sicherer für ihn als draußen auf den Straßen der Verdammten.

Dieser böse Bube steckt McCoy, dass morgen ein Mädchen ermordet werden wird und er es verhindern soll. Viele Anhaltspunkte bekommt McCoy nicht, trotzdem macht er sich mit seinem Kollegen, dem Grünschnabel Wattie, auf und sucht nach der jungen Frau. Doch es wäre nicht Glasgow, wenn hier schon ein Happy End warten würde. Natürlich wird die Frau ermordet und auch der Täter kommt nicht gut weg. So läuft das nämlich in Glasgow nicht, Glasgow ist anders. Nicht vergessen. Blutig. Immer. Und tödlich. Meistens.

Harry McCoy ist aber auch so typisch a la Glasgow. Kein Saubermann, einen solchen sucht man in dem Thriller ohnehin vergebens, sondern so ein Typ mit vielen, vielen Ecken und noch mehr Kanten. Ein Typ, der glaubt, die Prostituierte sei seine Freundin. Und das in Glasgow! Die er besucht, wenn er sich nicht gerade volllaufen lässt oder verprügelt wird. Aber immerhin heilen seine Wunden schnell. Sogar die ganz schlimmen. Das ist vielleicht nicht ganz glaubwürdig, aber: Glasgow ist anders. Wer hinkt, verliert, oder so, vielleicht.

FF: Von Finanzbonzen bis zu den Freimaurern

Auf alle Fälle führt der eine Fall zu vielen anderen. Und zwar direkt dorthin, wo es richtig sauber nach außen hin aussieht und in Wahrheit ziemlich dreckig ist. Und blutig. Und gewalttätig. So typisch Glasgow eben.
Das geht bis ganz nach oben hin. Hinein in die Politik, in die Finanzwelt, sogar die Freimaurer kommen vor. So am Rande von Glasgow halt. Aber nicht im kritischen Sinne, sondern mehr zu Unterhaltungszwecken. Was Krimileser natürlich ebenso erfreut.

Da hat sich Parks vielleicht ein bisschen viel vorgenommen. Das hätte die Story gar nicht gebraucht, McCoy ist ohnehin schon ein interessanter Typ, der mit einem besten Freund nicht nur die Straßen von Glasgow, sondern auch – sagen wir mal – gewisse Frauen auf die eine oder andere Art teilt. Der fast täglich verdroschen wird und sich trotzdem am nächsten Tag wieder unter die bösen Buben mischt.
Ja, dieser eckig-kantige Typ hat was. Manchmal auch ganz schön viel Blut auf seiner Kleidung, was er eigentlich gar nicht abhaben kann.
Außerdem teilt er auch gerne die Vergangenheit mit gewissen Leuten. Glasgower Menschen, wohlgemerkt, was bedeutet, die Vergangenheit sieht dann auch mächtig düster und brutal aus.

Überhaupt ist der Thriller richtig düster, dunkel, stellenweise sehr brutal und hart, und besonders McCoy ist mit seiner rauen Art und diesem dunklen Karma, das ihn umgibt, begleitet und nie – wirklich nie – loslässt, sehr unterhaltsam zu lesen.
Nur Kritik an Korruption, der Macht des Geldes, wird man vergeblich suchen. Das ist Thrill mit Glasgower Setting inmitten von Banden, Korruption und politischer Einmischung für Unterhaltungszwecke.
Wenn man bedenkt, dass „Blutiger Januar“ das Debüt des schottischen Autors Alan Parks ist, dann freue ich mich auf die Fortsetzung. Denn dieses Buch ist der Auftakt zur neuen Reihe mit Detective McCoy und hat mich von Anfang bis zum Ende nicht nur gut unterhalten, sondern richtig packen können. Ja, auch ich war gefangen in Glasgow. Und das ist trotz kleinerer Unglaubwürdigkeiten gut so!

Lesen! Unbedingt!

4 von 5 Treffer

Bibliografische AngabenReiheninfo
Alan Parks: Blutiger Januar ©2018 Heyne Hardcore

Alan Parks: Blutiger Januar ©2018 Heyne Hardcore

BLUTIGER JANUAR
Originaltitel: Bloody January (2017)
Autor: Alan Parks →
Erscheinungsdatum: 03.09.2018
Verlag: Heyne Hardcore →
Seiten: 400
ISBN: 978-3-453-27188-3
Aus dem Englischen → von Conny Lösch →
Reiheninfo: Band 1 der Harry-McCoy-Reihe →

„Harry-McCoy“ – Reihe:

  1. Blutiger Januar, 2018 im Heyne Hardcore Verlag (2017, Bloody January)
  1. Als Schottland-Liebhaber ist das für mich ein absoluter Muss-Kauf. Zudem gefällt mir der zeitliche Rahmen. Glasgow in den 70ern war ja ein ziemlich heißes und raues Pflaster. Was liegt also näher, als hier eine Krimi-Reihe zu platzieren.

    Schöne Rezension!

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    1. Oh ja, Glasgow als Kulisse für Thrill finde ich immer wieder fabelhaft. Besonders Glasgow in den 70ern. In diesem Thriller kommt Glasgow nicht gut weg, wie zu erwarten, sehr schäbig, sehr düster und vor allem: rau.

      Bin gespannt, wie dir das Buch gefallen wird! Viel Lesespaß dir! Danke!

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  2. Und all dies erst noch in der Übersetzung von Conny Lösch!

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  3. Es liegt schon (immer noch) hier :3
    Will es nächste Woche starten und geb dann direkt Meldung, wie es mir gefallen hat 😀

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