Ein Fall aus dem 19. Jahrhundert scheint sich in Bergamo zu wiederholen. Doch der Täter von damals ist längst tot. Ein Nachahmungstäter? Ein ritueller Mord?
Kriminalreporter Marco Besana, der längst auf das journalistische Abstellgleis geschoben wurde, und die verlotterte Praktikantin Piatti suchen den Täter. Dazu greift Dario Correnti leider tief in die Krimieffektmottenkiste und holt alles raus, was das Krimihandwerk an Überspitzungen zu bieten hat. Ein Krimi für zwischendurch für Leser, die zwischendurch Krimis lesen.


Nostalgischer Blick auf Journalismus

Früher war alles anders. Gerichtsreporter Marco Besana wartet mit seinen 58 Jahren darauf, dass er abgesäbelt und in den Ruhestand geschickt wird. Seit 30 Jahren ist er als Kriminalreporter unterwegs, hat für seine Arbeit gelebt und seine Ehe dadurch schleifen lassen, so dass sich seine Frau von ihm getrennt hat und sich sein Verhältnis zu seinem Sohn als sehr schwierig darstellt.
Und nun wütet ein Serienmörder in der Provinz um Bergamo. Ein großer Fall, vielleicht sogar sein letzter. Kein Wunder, dass er sich daran festbeißt und die Praktikantin Ilaria Piatti, damit mitzieht.

Ein ungleiches Kollegenpaar sind die beiden schon. Besana, der etwas schroff rüberkommt und in nostalgischen Gedanken an seinen Beruf festhängt und Piatti, die verlottert in der Redaktion auftaucht und von allen gemieden wird. Zwei, die beide an der Außenseite kämpfen, aber Durchhaltevermögen beweisen. Und für den Leser sehr unterhaltsam zu lesen sind.

Der Vampir von Bottanuco

Der Fall selbst führt weit zurück in die Vergangenheit. Denn schon 1870 gab es einen ähnlichen Fall und anscheinend ahmt der Täter den damaligen Mörder nach.
Correnti greift dazu tief in die Krimieffektkiste. Vielleicht zu tief. Denn alles, was man überspitzen kann, wird verwendet. Grausame Morde, die Parallelen zu Fällen aus dem 19. Jahrhundert aufweisen und dadurch an Rituale von Sekten vermuten lassen, aber auch für die Auflösung wird alles verwendet, was in der Krimizaubermottenkiste zu finden ist.
Das liest sich dann für versierte Krimileser nicht mehr originell, auch wenn der Stil sehr unterhaltsam zu lesen ist. Für Leser, die zwischendurch zu Krimis greifen, ist es aber sicherlich eine unterhaltsame Krimilektüre, die trotz sehr gewalttätigen Morden nicht schockiert.

Unterhaltung für zwischendurch auf italienische Art. Ganz ohne Mafia.

Knappe 3 von 5 Treffer

Bibliografische Angaben
Dario Correnti: Kälter als der Tod ©2018 Penguin Verlag

Dario Correnti: Kälter als der Tod ©2018 Penguin Verlag

KÄLTER ALS DER TOD
Originaltitel: Nostalgia del Sangue (2018)
Autor: Dario Correnti →
Erscheinungsdatum: 12.11.2018
Verlag: Penguin Verlag →
Seiten: 512
ISBN: 978-3-328-10367-7
Aus dem Italienischen → von Brigitte Lindecke →

  1. So, hab meine Kritik nun auch fertig.
    Ich fand die Überspitzung gar nicht zu schlimm, es war eher die Masse, die das Buch so schwer werden lies.
    Zumindest konnte ich abends nie viel davon lesen. So viele Infos und Ereignisse…trotzdem ein Buch, was ich empfehlen würde 🙂

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    1. Gerade deine Rezension zum Buch entdeckt! Empfehlen würde ich es trotz meiner Kritikpunkte auch – und ich würde auch noch ein weiteres Buch von Correnti lesen. Mal sehen, ob noch was kommt und wenn ja – wie. 🙂 Danke dir für die Verlinkung!

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