Bis vor ein paar Jahren war die Schweiz, neben Monaco, Liechtenstein und Andorra, ein beliebtes Steuerfluchtland. Doch das Bankengeheimnis ist längst ade und der Sicherheitschef einer kleinen Schweizer Privatbank Tom Winter gerne bereit, dem BKA Auskunft über das Vermögen des getöteten Otto Harnisch zu geben. So ein bisschen merkt man ihm seinen alten Beruf als Einsatzleiter einer Polizeisondereinheit noch immer an, denn er folgt der Spur des Geldes wie ein Bluthund einer Fährte.

Grüezi, Schweiz!

Schweizer Banker. Tststs. Erst leben sie jahrelang gut von Steuerflüchtigen und dann machen sie gemeinsame Sache mit dem BKA. Winters erster Blick auf das Konto von Harnisch lässt ihn Bestechung und Steuerhinterziehung vermuten. Die erste Spur führt ihn zu einer Stiftung nach Liechtenstein und zu einem Unternehmen für Laborgeräte. Harnisch kann nicht mehr befragt werden, der Brunnenmeister ist tot. Zerschmettert in einem Brunnenschacht gefunden. Die zweite Spur führt Winter nach Berlin, wo Harnisch Geliebte arbeitet. Nur: Die ist auch bald tot. Erschossen. Direkt in den Kopf. Peng.

Привет! Machatschkala!

Diese Laborgerätefirma ist auch nicht ganz koscher. Die hat ihren Vertrieb überall, nur die Firmensitze hält sie gut versteckt und in der russischen Teilrepublik Dagestan im Nordkaukasus auch gut bewacht. Aber so einen Winter schreckt das nicht ab. Er folgt der Spur des Geldes. Dieser Bluthund!

Jute Nacht, Berlin!

Bald vermutet Winter hinter Harnisch Schweizer Konto eine ganze Terrorwelle auf Berlin zurollen. Aber viel raffinierter, ganz ohne Sprengstoffgürtel, auch mit Schläferrollen und so gibt er nicht auf, arbeitet dem BKA zu und lässt sich auch von bewaffneten Schlägertypen und Diplomaten nicht abschrecken.

Hier beginnt der Schlamassel für den Leser

Mit den Schlägertypen. Die brechen in Berlin in Nataschas Wohnung ein, während Winter bei Anika, Nataschas Freundin und Arbeitskollegin, untergekommen ist und nebenan schläft. Als der eine Typ eine Pistole durch den Türspalt steckt, wuchtet Winter sein ganzes Körpergewicht gegen die Tür. Die Pistole fällt zu Boden. Doch als Winter die Tür öffnet und den taumelnden Glatzkopf sieht, hält der wie von Zauberhand die Pistole wieder in Händen. Tschakka!
Leider ist das nicht die einzige Stelle im Buch, die solche Ungereimtheiten beinhaltet. Auch die Liebesszenen sind … ähm … sehr gewöhnungsbedürftig. So kuschelt es sich gut in Achselhöhlen, bevor Anika dem „Schnauzer den Meister“ zeigt und das Paar sich einander auffrisst. Ja, das sind Liebesszenen! Diese Schweizer-Deutsch-Affäre „häutet“ sich auch dabei und stirbt kleine schauerliche Tode, nachdem sie sich von „wuchernden Lianen“ zu „herumtollen Welpen“ gemausert haben. Schräge Bilder. Lieber zurück zur eigentlichen Story.

Peter Beck: Die Spur des Geldes ©2019 Emons Verlag
Peter Beck: Die Spur des Geldes ©2019 Emons Verlag

Skrupellose, dubiose Machenschaften

Abgesehen von einzelnen Szenen, die wie oben beschrieben etwas klapprig und total schräg daherkommen, wirkt die eigentliche Story um eine dubiose Firma dafür gut recherchiert.
Skrupellos geht die Firma vor, schafft sich Zeugen vom Leib und verschanzt sich hinter Stiftungen und im russischen Hinterland. Für den Leser geht es von der Schweiz nach Deutschland, über die Türkei nach Russland, mal auf die detektivische Art, dann wieder mit Action und sogar Militär durchs Land. Politische Kreise werden gezogen, aber nur am Rande, die dunkle Seite für Asylanten wird ein eingeflochten … kurzum: ein riesengroßes Paket wird da geschnürt und in Thrillerform an den Leser gebracht.
Das liest sich dann doch spannend, vom Thema her wichtig, von der Umsetzung her geschickt, so dass man gewisse Szenen gerne verdrängt und sich von der eigentlichen Story leiten lässt.


INFO: „Die Spur des Geldes“ ist der dritte Band der Tom-Winter-Reihe, kann aber unabhängig von den anderen Bänden gelesen werden.


Bibliografische Angaben:
Peter Beck: Die Spur des Geldes (Band 3 der Tom-Winter-Reihe), Emons Verlag 2018, 978-3-7408-0499-2, 432 Seiten
⇔ Emons Verlag
⇔ Webseite von Peter Beck

  1. Hallo Iris,

    ein großer Freund der Liebesszenen in diesem Buch war ich auch nicht wirklich. Die Umschreibungen waren zwar irgendwie fantasievoll, aber nicht nach meinem Geschmack. Es wäre vielleicht besser gewesen, sie mit einem Satz abzutun und nicht weiter ins Detail zu gehen.

    Was Ungereimtheiten angeht, habe ich die wohl dann überlesen. Das kommt bei mir schon vor, wenn die Story mich packt. Ich kann mir Schlägereien oder Kampfszenen sowieso schlecht vorstellen, überfliege sie oft nur und versuche gar nicht, sie vor meinem inneren Auge entstehen zu lassen.
    Die von Dir als Beispiel angeführte Szene habe ich doch glatt mal nachgeschlagen und habe festgestellt, dass ich sie anders verstanden habe und zwar so, dass sie doch schlüssig ist. Falls ich die richtige Szene erwischt habe, ich denke aber schon. Da heißt es nämlich nur nach der Tür-Attacke „Die Pistole war weg“. Für Dich ist sie davon geflogen, was durchaus logisch wäre, ich dachte, der Arm mit der Pistole wurde durch den Türspalt wieder zurückgezogen (und dabei hat der Glatzkopf sie in der Hand behalten).
    Wie auch immer, unterm Strich fand ich das Thema interessant (und die Vorstellung, dass sowas mal Realität werden kann, sehr gruselig), die Umsetzung gelungen und das Buch empfehlenswert. Morgen geht meine Rezension dazu online, falls Du mal reinstöbern möchtest.

    LG Gabi

    Antworten

    1. Hallo Gabi!

      Ich habe bei Twitter gesehen, dass du das Buch auch liest und war schon sehr gespannt darauf, deine Meinung zu erfahren :-).

      Ich denke, du hast die richtige Szene herausgesucht. Und ja, es könnte auch so gemeint sein, wie du die Szene wahrgenommen hast, also dass der Pistolenarm zurückgezogen wurde und nicht dass die Pistole aus der Hand geflogen ist (so wie ich die Szene wahrgenommen habe). Dann wäre sie auch schlüssig.
      Diese Szene zeigt wunderbar, wie unterschiedlich Leser Gelesenes wahrnehmen :-).

      Vom Thema her finde ich den Thriller auch empfehlenswert und ich werde mir sicherlich noch ein Buch von Peter Beck gönnen, zumal mir gerade solche Themen immer wichtig sind.

      Nun warte ich gespannt auf deine Rezension zum Buch! Liebe Grüße, Iris

      Antworten

  2. […] »Kurzum: ein riesengroßes Paket wird da geschnürt und in Thrillerform an den Leser gebracht. Das liest sich dann doch spannend, vom Thema her wichtig, von der Umsetzung her geschickt, so dass man gewisse Szenen gerne verdrängt und sich von der eigentlichen Story leiten lässt.« – Der Blog der Schurken […]

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.